Warum der Koalitionsvertrag der Jamaika-Regierung komplett hinter dem Niveau der Schweizer Rückversicherungsgesellschaft zurückbleiben wird, das diese schon 2004 erreicht hatte

Während die aktuelle Ausgabe des Wirtschaftsmagazins brand eins mit der Überschrift „Der Plan war scheiße“ einen Uralttrend bedient und dann auch nur über Strategie schreibt, liefert OXI 10/17 für 3.50 € sehr trocken einen „Schwerpunkt Planwirtschaft“ mit gleich 17 knappen Artikeln. Es geht um Plan & Markt, Umbau, EEG, Simulationen, Planungspolitik, Staat & Silicon Valley, Begriffspolitik, Geld, Chicago Boys, Big Data, Allendes Cybersyn, China & Planung, Ressourcenregelung, Futurium und zu guter letzt um Paul A. Baran. Mein Beitrag heißt „Kommende Zeiten. Wir wir Zukünfte machen und nehmen. Über Planungspolitik und die Gegenwart des Morgen.“ Dort auch Näheres über die Swiss Re.
Man kann jetzt noch eine schüttere fußnotengespickte Artikelmenge in Sachen Planung aus „Z“, dem „Argument“ oder Prokla aus den letzten zwei Jahrzehnten hinzulegen und eine gute Handvoll Bücher zur DDR-Planwirtschaft. Das reicht für den Anfang: der Plan ist fast immer scheiße, Planung nicht.

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Das Unvorhergesehene

„Für mich begann jetzt ein neues Leben. Ich hatte meinen Vater zusammenbrechen sehen und konnte nicht mehr in die Kindheit von einst zurück. Die Mutter, früher immer zu Hause, arbeitete jetzt den ganzen Tag bei Hahne’s, der Bruder, sonst immer für mich da, arbeitete jetzt nach der Schule für Lindbergh, und der Vater, der dem ungehobelten Antisemiten damals in dem Washingtoner Selbstbedienungsrestaurant trotzig die Stirn geboten hatte, weinte laut und mit weit offenem Mund – weinte wie ein verlassenes Baby und ein gefolterter Mann zugleich – weil er machtlos war, das Unvorhergesehene aufzuhalten. Und Lindberghs Wahl hatte mir unmißverständlich klargemacht, daß es immer nur um das Eintreten des Unvorhergesehenen ging. Im Rückblick betrachtet, war das schonungslose Unvorhergesehene das, was wir Kinder in der Schule als „Geschichte“ lernten, harmlose Geschichte, wo alles Unerwartete zu seiner Zeit als unvermeidlich verzeichnet wird. Den Schrecken des Unvorhergesehenen läßt die Geschichtswissenschaft verschwinden, indem sie eine Katastrophe zu einem Epos macht. “

Philip Roth: Verschwörung gegen Amerika, HanserMünchen|Wien 2004, S.127

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15. Villa Rossa

Die 15. Villa Rossa  – für das seit 2003 – mit einer Vorläuferin sogar seit 1987 – geduldig organisierte Wochenseminar haben wir immer noch kein Wort gefunden (Ferien– oder Herbstakademie waren die spontanen Bezeichnungen). Die Villa ist jedenfalls eine Mixtur aus politischer Bildungsveranstaltung, wissenschaftlichem Workshop, politischem Diskussionsseminar und nicht zuletzt ein Beitrag zum Recht auf Denken + Faulheit. Die Villa fand statt vom 26. August (Anreise) bis zum 2. September 2017 (Abreise) – wie gewohnt in der Villa Palagione  bei Volterra. Das Thema dieses Jahr: „Um * Welt * Brüche“. „15. Villa Rossa“ weiterlesen

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Vierte Ausschreibung des Jörg-Huffschmid-Preises

Der wissenschaftliche Beirat von Attac-Deutschland, die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, die EuroMemo Group und die Rosa-Luxemburg-Stiftung schreiben im Gedenken an das wissenschaftliche Werk und das gesellschaftspolitische Engagement von Jörg Huffschmid zum vierten Mal den Jörg-Huffschmid-Preis aus.

Eingereicht werden können neben Dissertationen auch Magister-, Master- und Diplomarbeiten in der Kategorie Abschlussarbeiten. Für Dissertationen ist eine Auszeichnung über 1.500 Euro und für Studienabschlussarbeiten über 500 Euro vorgesehen.
Die Arbeiten sollten dem Feld der Politischen Ökonomie entstammen, zum Beispiel:
– Finanzmarkt-, Handels- und Industriepolitik
– Alternativen zu Austerität und Privatisierung
– Militarisierung europäischer Außen-, Grenzsicherungs-
und Rüstungspolitik
– Arbeitswelten im digitalen Zeitalter
– Sozial-ökologischer Umbau: die Rolle von Digitalisierung,
sozialer und technologischer Innovation sowie neuen
Wirtschaftsformen.

Dabei ermutigen wir ausdrücklich zur Einreichung disziplinübergreifender Arbeiten, die ökonomische mit sozial- oder politikwissenschaftlichen Ansätzen kombinieren. Berücksichtigung finden Arbeiten, die seit dem April 2015 an einer europäischen Hochschule in deutscher oder englischer Sprache eingereicht und bewertet wurden. Bewerbungen  bis zum  31. März 2017 an Joerghuffschmidpreis@esosc.eu.

Weitere Informationen finden sich hier: Joerg-Huffschmid-Preis 2017.

KONTAKT: Peter Herrmann, herrmann@esosc.eu, sowie
Rahel Wolff, rahel.wolff@attac.de, Koordination Wissenschaftlicher Beirat von Attac Deutschland

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Villa Rossa 2016: Die politische Farbe Europas ändert sich

Stiftung GegenStand

Die Planung für die 14. Villa Rossa ist fertig! Und noch sind vier Plätze frei! Das Wochenseminar wird vom 20. – 27.8. 2016 in der Villa Palagione bei Volterra stattfinden und sich mit der politischen Dynamik der „rechten Rechten“ in Europa befassen. Die „Villa“ wird veranstaltet von der Stiftung gegenStand in Kooperation mit dem ver.di Bildungswerk Hessen.

Sechs Fragen beschäftigen uns:

  • Transformation des Staates durch die „rechte Rechte“? (Regieren aus der Opposition“, Kommunalpolitik, Veränderungen des Parteiensystems, Agenda-Setting?).
  • Die soziale Gestalt dieser Rechten? (Radikalismus der Mitte, die Bewegungsrechte; die Rolle der Frauen).
  • Das kulturelle und ideologische Profil? (Rassismus, Religion; Nationalismus; Souveränitätskonzepte);
  • Welche Neuordnungskonzepte gibt es? (Europa- und darüber hinaus);
  • Wie hat sich die Rechte verändert? (Gibt es eine neue Vielfalt).
  • Reaktion der gewerkschaftlichen und sozialen Linken.

    Diese Fragen werden auch diskutiert anhand von Länderpräsentationen (Frankreich, Österreich, Ungarn, Polen, Rußland, USA, BRD). Als ReferentInnen werden teilnehmen Dr. Walter Baier (Transform), Prof. Jörg Flecker (Soziologe, Uni Wien), Ivo Georgiev, Ingar Solty, (IfG) Dr. Holger Politt, (RLS) Prof. Gudrun Hentges,(FHS Fulda), Conny Hildebrandt, (RLS), Sebastian Chwala,(Promovend), Thilo Janssen (wiss.Mitarbeiter, Brüssel), Dr. Gerd Wiegel (wiss. Mitarbeiter Fraktion Die Linke), PD Dr. Hans-Jürgen Urban (Mitglied Vorstand IGM).

Zur Lokation: Villa Palagione Centro Interculturale – Associazione culturale, Loc. Palagione (I-56048 Volterra (Pisa) – Tel. (+39) 0588 39014 / (+39) 0588 39139 – Fax: (+39) 0588 39129 – E-mail: info@villa-palagione.org). Zur besseren Veranschaulichung 768 ungeordnete Fotos der Villa, die im Verlauf der 13 Seminarjahre durch glückliche Mitwirkende entstanden. Anreise vorzugsweise bis Samstagabend (20.8.); Abendessen ca. 19.30 Uhr.  Ende Freitag gegen 14/15 Uhr. Samstag 27.8. Rückreisetag. Infos und Empfehlungen in Sachen Anreise auf der Website der Villa, wir versuchen auch als Veranstalter im Zweifel zu helfen. Die Veranstaltung wird gefördert von der Rosa Luxemburg Stiftung. Teilnahmekosten für den einwöchigen Aufenthalt (Seminar u. Halbpension) in der Villa Palagione pro Person von ca. 599-830 € . Wir bemühen uns darum, dass die  Veranstaltung wie in den Vorjahren als Bildungsurlaub anerkannt wird. Erfahrungsgemäss ist es sehr günstig, sich frühzeitig anzumelden und insbesondere ggf. Flüge nach Pisa oder Florenz sowie Züge (!) möglichst rasch zu buchen. Die Veranstaltung ist zwar de facto ausgebucht, aber es existiert eine aussichtsreiche Warteliste.

Wer teilnehmen möchte: Details zu Tagungsstätte, Kosten, Programm, Texte und Personen finden sich hier http://www.s-gs.de/wordpress/?page_id=1283. Kontakt: Rainer Rilling, Mail:s-gs@gmx.de oder rillingr@mailer.uni-marburg.de.

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Basta!

„Das Thema „sexuelle Belästigung“ ist mir unangenehm. Es macht mir 9783894385903schlechte Laune.“

So fängt Ingrid Kurz-Scherf ihr Vorwort an, das eigentlich ein eigener Artikel ist. Das Buch zum Thema freilich lässt die Leserin ziemlich zornig und eher gut gelaunt zurück. Obwohl doch die Angelegenheit üblicherweise verdrängt und umgangen wird. Schlimmer noch: „Sexuelle Belästigung“ gilt als gähnende Langweilerin. Ihr  Skandalisierungspotential ist ungefähr vor einem halben Jahrhundert ausgelaufen. Sie ist so was von gestern. Und zugleich ist sie auf eigentümliche Weise immer und überall – oder eigentlich gar nicht existent. Die Diskurstheorie nennt das Normalisierung durch Beliebigkeit. Sie hat einen Helfer: die Entpolitisierung. Wo doch beiläufig darüber gesprochen wird, geht es schon mal gar nicht um Macht oder Herrschaft.

Das aber ist überhaupt nicht der Fall in dem Buch „Basta! Gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Ratgeber und Rechtsberatung“ von Godela Linde, das eben bei PapyRossa erschienen ist (212 S., 15.90 €). Dort wird der Sache an herausragenden Orten der Macht nachgegangen: im Büro, im Betrieb, am Arbeitsplatz. Bei der Staatsdienerschaft vulgo Beamten, den Fahrlehrern, der Polizei und Bundeswehr, in der Schule und Hochschule. Der „Ratgeber“ resümiert dabei die wesentlichen sozialwissenschaftlichen Studien die belegen, wie sehr sexuelle Belästigung zum Alltag des Arbeitslebens gehört. Wegweiser

Sie klärt auf, was in der Praxis und nach rechtlicher Bestimmung unter sexueller Belästigung zu verstehen ist („Wann beginnt sie?“) und geht den Profilen der Belästiger und ihres Verhaltens nach. Die folgenden 4/5 des Buches entwickeln breit die einfache Frage: „Was nicht tun?“ und „Was tun?“ – gegen Scham und Angst und Macht. Das reicht von Übungsratschlägen über den Instrumentenkoffer des Allgemeinen Gleichbehandlungsetzes, die Möglichkeiten zur kollektiven Gegenwehr bis zur Frage, was Arbeitgeber („gefälligst“) beizutragen haben. Für ein klar gewerkschaftlich angelegtes Buch auf den ersten Blick recht überraschend – und es ist erstaunlich, welche Fülle von Verpflichtungen vom Arbeitgeber eingefordert werden kann und muss!

Der zweite Teil des Bandes wendet sich nicht nur an Opfer und Betroffene, sondern auch an andere „Akteure“. Es geht um die die Rechtsberatung im Alltag und einschlägige arbeitsrechtliche Entscheidungen. Ausführlich wird das zentrale Problem der „Beweisnöte nach der Belästung“ ausgebreitet. Eine Übersicht zu einschlägigen Quellen und ein nützliches Stichwortverzeichnis schließen das Ganze ab.

Eigentlich nicht, nein.

S.163 bis 206 gehen nämlich dahin für 537 Fußnoten mit Zusatzquellen und Fundstellen. Der Grund dafür liegt keineswegs auf der Hand. Die Autorin hat doch tatsächlich über 700 einschlägige Gerichtsentscheidungen aller Instanzen und Gerichtszweige – neben Verfahren vor Arbeits- und Sozialgerichten auch Straf-, Verwaltungs- und Zivilprozesse – ausgewertet und damit eine völlig neue „gerichtsfeste“ empirische Basis für ihre Argumentation geschaffen. Eine ungewöhnliche und bisher nicht erschlossene Quelle. Eine Heidenarbeit, die sich gelohnt hat.

BastaAngesichts dieses Aufwands ist die Freude der Verfasserin verständlich, als „ihr“ Buch angeliefert wurde :-).

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