Kartografie der Macht

Redblog hat auf ein Projekt aufmerksam gemacht, das sich seit über fünf Jahren die schwarze Seite der Kartografie der Macht zum Gegenstand macht: die verbotenen Zonen, die zone interdite. Zwei in Berlin lebende Schweizer haben militärische Einrichtungen dokumentiert und ein Kunstprojekt mit hoher politischer Militanz entwickelt. Sie greifen auf Lev Manovich aus San Diego zurück, einem der wenigen innovativen Medientheoretikern der Gegenwart. Eine planetare Punktierung der weltweit verbotenen Zonen zeigt die Homepage an, die verbotenen Zonen länderweise skizziert. Aktuelle Beiträge in der NZZ etc. machten das Projekt aktuell bekannt, das als besonders spannendes Teil allerlei Details über Guantanamo dokumentiert.

ZONE*INTERDITE ist ein Kunstprojekt, das als Versuchsanordnung dient und für die eigenen Entdeckungen und Erforschungen offen steht. Wir sind nicht frei in unserer Wahrnehmung der Welt, denn verschiedene Gebote und Verbote verweisen uns stets auf die richtige Sicht der Dinge, sie geben unsere Blickrichtung vor. Unsere individuelle Lust am Sehen und die Freude am Entdecken werden eingeschränkt durch komplexe Formen der Zensur und Selbstzensur. Durch neue Sichtachsen und die Weitung des Horizonts wird die individuelle Selbstzensur, die Blindheit gegenüber eigenen Regungen unterwandert.

Das Projekt liefert mit seinen 1200 Einträgen einen substantiellen Beitrag zu einer neuen Kartografie der Macht, die z.B. Bill Rankin`s “US Empire and military installations” in einen politischen Zusammenhang bringt. Es gibt eine neue Kartografie der Macht, die nicht nur verbotene Zonen, sondern auch hohe Selbstverständlichkeiten und Normalitäten des globalen Blicks von oben pflegt, die also die neue Souveränität der Macht reflektiert, die ein Ergebnis der technologischen Innovationskultur der Milliardärsnetze der New Economy ist.

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