Bildung und Reichtum

Michael Hartman hat in der Berliner Zeitung vom 21.1.2006 kurz den Zusammenhang von Armut und Bildung in den USA und der BRD notiert:

“Die untere Hälfte der Bevölkerung schickt ihre Kinder zu fast 90 Prozent auf Hochschulen, die in Deutschland niemand zu dieser Kategorie zählen würde, da sie sich bestenfalls auf dem Niveau von Berufsakademien bewegen. Nahezu jedes zweite dieser Kinder geht sogar nur auf eines der Zwei-Jahres-Colleges, die eher einer gymnasialen Oberstufe ähneln.

Auf die teuren Privatuniversitäten schaffen es dagegen gerade einmal drei Prozent der Studienanfänger aus den armen Schichten. Vom Nachwuchs aus reichen Familien geht dagegen jeder fünfte dorthin. An den ca. 150 Hochschulen, die den deutschen Universitäten vergleichbar sind, stammen weniger als zehn Prozent aus der unteren Hälfte der Bevölkerung, 74 Prozent aber aus dem oberen Viertel. Die Rekrutierung ist damit sozial erheblich selektiver als an den deutschen Universitäten, wo immerhin auch schon zwei Drittel der Studierenden aus dem oberen Drittel der Bevölkerung stammen. Die privaten Eliteuniversitäten sind noch spürbar exklusiver. Vier von fünf Studierenden kommen dort aus dem oberen Fünftel der Gesellschaft. Jeder fünfte stammt sogar aus den obersten zwei Prozent mit Familienjahreseinkommen von mehr als 200 000 Dollar, d.h. fast doppelt so viele wie aus der unteren Bevölkerungshälfte.

Ein entscheidender Grund für diese sehr ungleiche Verteilung der Studierenden auf die verschiedenen Hochschultypen sind die unterschiedlichen Studiengebühren. Für die Two-Years-Colleges betragen sie im Durchschnitt “nur” 2 076 Dollar, für die öffentlichen Four-Years-Colleges schon 5 132 Dollar und für die privaten Vierjahreseinrichtungen sogar 20 082 Dollar mit Spitzenwerten von über 32 000 Dollar. Seit Anfang der 1980er Jahre sind die Gebühren für alle Hochschultypen deutlich schneller gestiegen als die Realeinkommen. Während das durchschnittliche Familieneinkommen unter Berücksichtigung der Inflation zwischen 1980 und 2000 um knapp 22 Prozent gewachsen ist, haben sich die Studiengebühren weit mehr als verdoppelt, für die Universitäten sogar fast verdreifacht. Seit 2000 hat sich diese Entwicklung noch einmal beschleunigt.”

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