Musil & Waltz

„Wenn es Wirklichkeitssinn gibt“, überlegt Musils „Mann ohne Eigenschaften“, dann „muss es auch Möglichkeitssinn geben“. Bemerkenswert, dass Christoph Waltz in einem SZ – Interview vom 31.8. 11, das sich u.a. mit den USA befasst, diese Formel aufgreift: „Sehr oft, wirklich täglich, fällt mir jetzt diese Sache mit dem Wirklichkeitsmenschen und dem Möglichkeitsmenschen ein. Da drüben sind das zum Großteil Möglichkeitsmenschen.“ Allerdings spielt der Mann ohne Eigenschaften in einem Land, in dem die Auflösung der Wirklichkeit besonders weit vorangeschritten ist.  Möglicherweise macht der US-Kapitalismus uns das eben vor.

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Praktisch wäre es, wenn die Linke mehr über die Zukunft wüsste!

Fotografiert im Nordwestdeutschen Museum für Industriekultur in DelmenhorstAuf den ersten Blick ist seit den 1960er und 70er Jahren, als ein Schub der Prognosen, der„Zukunftsforschung“ und der Planungs- und Steuerungskonzepte den Beginn des langen Endes des Fordismus begleitete, mit der nachfolgenden marktradikalen Zeit auch der Zugriff auf die Zukunft dem Markt und seinem homo oeconomicus übergeben worden. Ein genauerer Blick zeigt, dass das nicht zutrifft. Seit Anfang der 90er Jahre sind die strategischen Potentiale und Apparate der Zukunftsbearbeitung im Forschungssystem, den Konzernen und Staatsapparaten kontinuierlich und in der Bilanz massiv ausgebaut worden. Das betrifft besonders deutlich die klassische Technik- und Produktivkraftforschung, die unter der „foresight“-Etikette intensiviert und internationalisiert wurde. Die neue Prominenz der Umwelt- und Energiefragen, die ein Großteil der komplexen technischen Ressourcen an sich ziehen, ist gut zu erkennen – ein Blick auf die Website des BMBF genügt. Auch Mobilität, Ernährung, Gesundheit, Stadt sind profitable Themen. Andere große Themen sind weit weniger präsent – aber ihre Zukunftsrelevanz steht außer Frage.

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Die Schreibtischkante und die Quotenbarbie

Benhamin Merkel hat sich richtig aufgeregt über die Leistung-muss-sich-wieder-lohnen-barbie der FDP und völlig unangemessene Bezüge und Vorschläge dabei produziert („Auch wenn ich an sich kein gewalttätiger Mensch bin, so verspühre ich in diesem Falle das dringende Bedürfnis, sie an ihrem blonden Schopf zu packen und ihren Kopf so lange auf die Schreibtischkante zu schlagen, bis sie nicht mehr weiß, dass sie je eine Doktorarbeit geschrieben hat“). Nun hat sich der politiktheoretische Erkenntniswert der Unterscheidung von „An-sich“ und „Für-Sich“ schon länger als etwas überschätzt herausgestellt. Aber wenn’s hilft gegen die eigentliche Innovation der Dame – das Aussitzen mit Frechheit zu kombinieren – dann sollte man nicht so kleinlich sein.

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Energiewende & Ethikkommission

Der bekannte Linkspawlow, dem die politische oder soziale Komposition eines Organs ausreicht, um auf zwingende, also schauderhafte Hervorbringungen zu schließen, traf jüngst ja auch vielfach die von der Bundesregierung eingesetzte Ethik-Kommission, die eigentlich der Regierung eine praktische öffentliche Brücke  zu den wahlpolitisch wirksamsten Ufern zusammenzimmern sollte. Die Mitgliedschaft der Töpfer, Hauff oder Beck irritierte die Freunde des Palowismus da selten.

Tatsächlich aber war die Reaktion von Greenpeace oder auch dem BUND differenzierter. Sie vermerkten, dass Lage und AutorInnen da ein bemerkenswertes Dokument über Wandel, Veränderung, Transition, Transformation hinterlassen hatten. Es gibt gerade der antipawlowschen Linken Anlaß, über seine Methodologie nachzudenken.

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