Villa Rossa 2016: Die politische Farbe Europas ändert sich

Stiftung GegenStand

Die Planung für die 14. Villa Rossa ist fertig! Und noch sind vier Plätze frei! Das Wochenseminar wird vom 20. – 27.8. 2016 in der Villa Palagione bei Volterra stattfinden und sich mit der politischen Dynamik der „rechten Rechten“ in Europa befassen. Die „Villa“ wird veranstaltet von der Stiftung gegenStand in Kooperation mit dem ver.di Bildungswerk Hessen.

Sechs Fragen beschäftigen uns:

  • Transformation des Staates durch die „rechte Rechte“? (Regieren aus der Opposition“, Kommunalpolitik, Veränderungen des Parteiensystems, Agenda-Setting?).
  • Die soziale Gestalt dieser Rechten? (Radikalismus der Mitte, die Bewegungsrechte; die Rolle der Frauen).
  • Das kulturelle und ideologische Profil? (Rassismus, Religion; Nationalismus; Souveränitätskonzepte);
  • Welche Neuordnungskonzepte gibt es? (Europa- und darüber hinaus);
  • Wie hat sich die Rechte verändert? (Gibt es eine neue Vielfalt).
  • Reaktion der gewerkschaftlichen und sozialen Linken.

    Diese Fragen werden auch diskutiert anhand von Länderpräsentationen (Frankreich, Österreich, Ungarn, Polen, Rußland, USA, BRD). Als ReferentInnen werden teilnehmen Dr. Walter Baier (Transform), Prof. Jörg Flecker (Soziologe, Uni Wien), Ivo Georgiev, Ingar Solty, (IfG) Dr. Holger Politt, (RLS) Prof. Gudrun Hentges,(FHS Fulda), Conny Hildebrandt, (RLS), Sebastian Chwala,(Promovend), Thilo Janssen (wiss.Mitarbeiter, Brüssel), Dr. Gerd Wiegel (wiss. Mitarbeiter Fraktion Die Linke), PD Dr. Hans-Jürgen Urban (Mitglied Vorstand IGM).

Zur Lokation: Villa Palagione Centro Interculturale – Associazione culturale, Loc. Palagione (I-56048 Volterra (Pisa) – Tel. (+39) 0588 39014 / (+39) 0588 39139 – Fax: (+39) 0588 39129 – E-mail: info@villa-palagione.org). Zur besseren Veranschaulichung 768 ungeordnete Fotos der Villa, die im Verlauf der 13 Seminarjahre durch glückliche Mitwirkende entstanden. Anreise vorzugsweise bis Samstagabend (20.8.); Abendessen ca. 19.30 Uhr.  Ende Freitag gegen 14/15 Uhr. Samstag 27.8. Rückreisetag. Infos und Empfehlungen in Sachen Anreise auf der Website der Villa, wir versuchen auch als Veranstalter im Zweifel zu helfen. Die Veranstaltung wird gefördert von der Rosa Luxemburg Stiftung. Teilnahmekosten für den einwöchigen Aufenthalt (Seminar u. Halbpension) in der Villa Palagione pro Person von ca. 599-830 € . Wir bemühen uns darum, dass die  Veranstaltung wie in den Vorjahren als Bildungsurlaub anerkannt wird. Erfahrungsgemäss ist es sehr günstig, sich frühzeitig anzumelden und insbesondere ggf. Flüge nach Pisa oder Florenz sowie Züge (!) möglichst rasch zu buchen. Die Veranstaltung ist zwar de facto ausgebucht, aber es existiert eine aussichtsreiche Warteliste.

Wer teilnehmen möchte: Details zu Tagungsstätte, Kosten, Programm, Texte und Personen finden sich hier http://www.s-gs.de/wordpress/?page_id=1283. Kontakt: Rainer Rilling, Mail:s-gs@gmx.de oder rillingr@mailer.uni-marburg.de.

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Basta!

„Das Thema „sexuelle Belästigung“ ist mir unangenehm. Es macht mir 9783894385903schlechte Laune.“

So fängt Ingrid Kurz-Scherf ihr Vorwort an, das eigentlich ein eigener Artikel ist. Das Buch zum Thema freilich lässt die Leserin ziemlich zornig und eher gut gelaunt zurück. Obwohl doch die Angelegenheit üblicherweise verdrängt und umgangen wird. Schlimmer noch: „Sexuelle Belästigung“ gilt als gähnende Langweilerin. Ihr  Skandalisierungspotential ist ungefähr vor einem halben Jahrhundert ausgelaufen. Sie ist so was von gestern. Und zugleich ist sie auf eigentümliche Weise immer und überall – oder eigentlich gar nicht existent. Die Diskurstheorie nennt das Normalisierung durch Beliebigkeit. Sie hat einen Helfer: die Entpolitisierung. Wo doch beiläufig darüber gesprochen wird, geht es schon mal gar nicht um Macht oder Herrschaft.

Das aber ist überhaupt nicht der Fall in dem Buch „Basta! Gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Ratgeber und Rechtsberatung“ von Godela Linde, das eben bei PapyRossa erschienen ist (212 S., 15.90 €). Dort wird der Sache an herausragenden Orten der Macht nachgegangen: im Büro, im Betrieb, am Arbeitsplatz. Bei der Staatsdienerschaft vulgo Beamten, den Fahrlehrern, der Polizei und Bundeswehr, in der Schule und Hochschule. Der „Ratgeber“ resümiert dabei die wesentlichen sozialwissenschaftlichen Studien die belegen, wie sehr sexuelle Belästigung zum Alltag des Arbeitslebens gehört. Wegweiser

Sie klärt auf, was in der Praxis und nach rechtlicher Bestimmung unter sexueller Belästigung zu verstehen ist („Wann beginnt sie?“) und geht den Profilen der Belästiger und ihres Verhaltens nach. Die folgenden 4/5 des Buches entwickeln breit die einfache Frage: „Was nicht tun?“ und „Was tun?“ – gegen Scham und Angst und Macht. Das reicht von Übungsratschlägen über den Instrumentenkoffer des Allgemeinen Gleichbehandlungsetzes, die Möglichkeiten zur kollektiven Gegenwehr bis zur Frage, was Arbeitgeber („gefälligst“) beizutragen haben. Für ein klar gewerkschaftlich angelegtes Buch auf den ersten Blick recht überraschend – und es ist erstaunlich, welche Fülle von Verpflichtungen vom Arbeitgeber eingefordert werden kann und muss!

Der zweite Teil des Bandes wendet sich nicht nur an Opfer und Betroffene, sondern auch an andere „Akteure“. Es geht um die die Rechtsberatung im Alltag und einschlägige arbeitsrechtliche Entscheidungen. Ausführlich wird das zentrale Problem der „Beweisnöte nach der Belästung“ ausgebreitet. Eine Übersicht zu einschlägigen Quellen und ein nützliches Stichwortverzeichnis schließen das Ganze ab.

Eigentlich nicht, nein.

S.163 bis 206 gehen nämlich dahin für 537 Fußnoten mit Zusatzquellen und Fundstellen. Der Grund dafür liegt keineswegs auf der Hand. Die Autorin hat doch tatsächlich über 700 einschlägige Gerichtsentscheidungen aller Instanzen und Gerichtszweige – neben Verfahren vor Arbeits- und Sozialgerichten auch Straf-, Verwaltungs- und Zivilprozesse – ausgewertet und damit eine völlig neue „gerichtsfeste“ empirische Basis für ihre Argumentation geschaffen. Eine ungewöhnliche und bisher nicht erschlossene Quelle. Eine Heidenarbeit, die sich gelohnt hat.

BastaAngesichts dieses Aufwands ist die Freude der Verfasserin verständlich, als „ihr“ Buch angeliefert wurde :-).

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Villa Rossa 2015

ungleichDie 13. Villa Rossa fand vom 22.-29.8.2015 statt, auch dieses Mal veranstaltet in Kooperation von Stiftung GegenStand und dem ver.di-Bildungswerk Hessen. Ihr Thema: “Neue Ungleichheit„.

Das Programm begann

  • vorweg mit der Frage, wie eigentlich in neuerer Zeit die Frage der Gleichheit und Gerechtigkeit im Rechtsdenken und der Rechtspraxis verhandelt wird (Peter Hauck-Scholz)
  • wandte sich dann mit mehreren Beiträgen der Industrie 4.0 („Hype oder industrielle Revolution“), den Big Data und digitalen Dominanzen zu (Christoph Ohm, Hermann Bömer, Rainer Fischbach)
  • machte einerseits einen Streifzug durch die Piketty – Debatte  und ihre (verteilungs-)politischen Folgen (Rainer Rilling) und detaillierte andererseits die Verteilungsfrage „Entgeltgleichheit als Forderung – Entgeltungleichheit als Feststellung“ (Ursula Schumm-Garling)
  • thematisierte das Stichwort der ökologischen Gleichheit vom deutschen Konsum bis zum Exportmodell Deutschland (Günther Bachmann)
  • erörterte die „Prekarität in der Gesellschaft 4.0“ (Andrea Liesner)

und endete zum Seminarabschluss mit der speziellen Frage nach der  „Zukünften des Kapitalismus?“ und diskutierte Antworten auf die Frage: „Wie wird der Kapitalismus enden?“. Es antworteten  Wolfgang Streeck, Michael Krätke und Hans-Jürgen Urban, wobei sie der Maxime des berühmtesten griechischen Finanzministers folgen werden: »Wir sind stolz auf das Niveau der Ungenauigkeit«.

Eine aktuelle Übersicht zu Programm, DiskutantInnen und Texten zur Tagung findet sich hier.

Seminarinformation: Das Seminar findet statt vom 22. 8. bis zum 29.8.1215 in der Villa Palagione Centro Interculturale – Associazione culturale, Loc. Palagione (I-56048 Volterra (Pisa) – Tel. (+39) 0588 39014 / (+39) 0588 39139 – Fax: (+39) 0588 39129 – E-mail: info@villa-palagione.org). Das Wochenseminar wird gefördert von der Rosa Luxemburg Stiftung.

Nachfragen bei Rainer Rilling.

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Wolfgang Abendroth: Der gemeinsame Kampf mit den Griechen

Wolfgang AbendrothAus naheliegendem Anlaß als Erinnerung ein kleiner Text von Wolfgang Abendroth („Der gemeinsame Kampf mit den Griechen“), der in den Informationen 2 / 1979 des „Studienkreises zur Erforschung und Vermittlung der Geschichte des deutschen Widerstandes 1933-1945“ publiziert wurde.

(Auf Anregung & mit Unterstützung von Christoph Jetter und Hanni Skroblies -> siehe auch das Projekt Gedenkorte Europa; die Fotografie stammt von Peter Werner. In Heft Nr. 63 vom Mai 2006 S. 4-11 ist ein Bericht publiziert "Wolfgang Abendroth im griechischen Widerstand. Nach Texten von Wolfgang Abendroth." Zusammengestellt von Friedrich Martin Balzer - mit 31 Anmerkungen = Nachweisen aus Abendroth-Veröffentlichungen).
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Zum Einstieg in die Causa „Deutsches Vermögen“, „Auslandsschulden“ und „Reparationen“

Auslandsvermögenim Anhang zwei Dokumente, das „Gesetz betreffend das Abkommen vom 27.Februar 1953 über deutsche Auslandsschulden“  und der einschlägige Bericht des „Ausschusses für das Besatzungsstatut und auswärtige Angelegenheiten“ vom 16.5.1952, Drucksache 3389 zum deutschen Auslandsvermögen, die zusammengenommen zur Frage Griechenland (dazu ak distomo und Judith Dellheim im Detail) zeitgeschichtlich absolut lesenswert sind, und übrigens auch an die Rolle des Rechts in den verzwickten Auseinandersetzungen über das Eigentum zwischen den imperialistischen Staaten in den 50ern erinnern (z.B.: „Auch haben die Vereinigten Staaten, um der durch ihre eigenen Maßnahmen gegen das Feindvermögen erzeugten Rechtsunsicherheit zu begegnen, das Recht ihrer auswärtigen Handelsverträge dahin weiter entwickelt, daß sie jetzt auf der Aufnahme besonderer Schutzbestimmungen für Eigentum und Investitionen bestehen.„, dazu auch das Kapitel „The Rule of Global Capitalism“, Abschnitt „Rules of Law: Governing Globalization“ in „The Making of Global Capitalism“ von Leo Panitch und Sam Gindin). Da gehen Nationalismus und Kapitalismus Hand in Hand, eine Grundhaltung, die sich offenbar bis heute nicht geändert hat. (Dank an Edzard Ockenga).

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