Villa Rossa 2005

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Das Projekt arbeitet non-profit. Mit Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung. Kontakt und Infos: Rainer Rilling: rilling@mailer.uni-marburg.de

 

Ambrogio Lorenzetti schuf 1338 und 1339 für die Sala della Pace (Friedenssaal) des Palazzo Pubblico in Siena einen allegorischen Freskenzyklus über Die Gute und die Schlechte Regierung sowie die Auswirkungen der einen und der anderen auf Stadt und Land. Der Zyklus reflektiert politische Positionen und Programmatiken frühbürgerlicher städtischer Kommunen von der Tyrannia, der Crudelitas (Grausamkeit), der Avaritia (Geiz) oder dem Krieg (Guerra) auf der einen Seite, der Gerechtigkeit, der Eintracht oder dem Frieden auf der anderen Seite. Wir schlagen vor, Lorenzettis Bilderzyklus über die gute und die schlechte Regierung als kunsthistorischen und – politischen - Ausgangspunkt der dritten Ferienakademie der Villa Rosso zu nehmen.

  • Wir beginnen mit der Frage nach der damaligen bürgerlichen  Bilderwelt der politischen Regime, Ordnungen und auch konkreten Regierungen und überlegen uns, wie sich die Dialektik der bürgerlichen Utopie des Politischen entfaltet hat. Das Ganze ist begleitet von einer Visite am Ort: wir besuchen das Rathaus von Siena und betrachten Lorenzettis Bild.
  • Dann geht es in das Spiel mit Lorenzetti`s Unterscheidung und wir verfolgen ganz klassisch "nach innen" die historische und aktuelle Praxis der Einschließung, Verwahrung, Disziplinierung – des „Strafvollzugs“ also und die damit zusammenhängende Regierungskunst und "nach außen" die bürgerliche Historie des Krieges, in der beispielsweise das neue Buch von Hardt und Negri („Multitude“) einen langen Prozess der Demokratisierung zu entdecken glaubt, wir dagegen die Erfindung des totalen Krieges bearbeiten möchten und danach fragen wie heutzutage eigentlich schlechte Regierungen („Schurkenstaaten“) konstruiert werden? Soweit zunächst zur "schlechten" Regierung - natürlich nicht, ohne auch noch über Geldmacht und Gegenmacht an dieser Stelle zu sprechen. Vielleicht sind wir der Frage dann etwas näher gekommen, was eigentlich eine schlechte oder gar böse Regierung ist - denn da verlässt uns merkwürdigerweise die geläufige politische Theorie sehr rasch. 
  • Von „good government“ und erst Recht der „good governance“ will jeder sprechen, doch mit welchen Maßstäben wird dabei eigentlich operiert und wie haben sie sich verändert? Es geht dabei auch um die Schwierigkeiten der guten Regierung - wenn Regierungen gut werden - welchen Spielraum haben sie denn in der Zeit globalisierter Mächte? Wer sind die Akteure? Welche Rolle spielt da überhaupt der Staatsapparat? Was wird da aus dem Blick auf die Regierung, wenn er „von unten“, ganz von innen und ganz von außen, von links und rechts kommt? Und wie blicken die Regierenden selbst?
  • Am Ende ein erneuter sozial- und kulturhistorischer Rückblick: welche Regierungsgeschichte erzählen die historischen Artefakte der Region: von der politischen Architektur in Florenz bis zur politischen Soziologie der Naturaneignung – etwa den 150 Marmorbrüchen hinter Carrara?

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