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Stiftung Gegenstand : Informationen : Veranstaltungen : Ferienakademie -
Raum.
[Paradies:
Standort: 5.
Villa Rossa der
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Aktuelles
Programm
Sicher ist Zeit (als: Beschleunigung, Verdichtung, Verknappung, Revolution, Utopie) die zentrale Dimension des Denkens und Handelns des letzten Jahrhunderts gewesen. Gerade der Aufstieg und die Krise des politischen Handeln der Linken oder der Grünen waren verankert in historischen Annahmen: die Zeit war mit ihnen oder es galt, der Endzeit ein Schnippchen zu schlagen. Doch es gibt unverkennbar eine Wende zum Raum und zur Räumlichkeit („spatial turn“). Alte und eben auch ganz unerwartete, neue Räume werden erdacht, gemacht, umkämpft, angeeignet, geordnet, beherrscht, verbunden, durchwandert und verlassen. Bald lebt jede/r Zweite in einem bestimmten – städtischen – Raum. Räumlichkeit wird unversehens und ganz massiv mit in Rechnung gestellt, ob in der Politik, in der politischen Ökonomie, der Technik, der Arbeit, in den Wissenschaften, im Film, in der Poetik usw. „Geo“ – eine Silbe nur – macht Karriere: als Geopolitik, Geoökonomie, Geoinformationssystem, Geocode, Geometrie. Zwar wurde der zentrale Begriff zum Verständnis des kapitalistischen Neubaus, der Mitte der 90er Jahre Furore machte (die „Globalisierung“) bald von einem weiteren Wort (dem „Empire“) abgelöst – beide Begriffe aber gehen eben auf die Raum- und nicht die Zeitdimension, schließlich ist die Geschichte ja zu Ende und der Liberalismus zum ewigen Schicksal geworden. Den Kampf um Standorte führen Täter und Opfer mit neuer Brutalität und Verzweiflung. Neue Grenzregimes organisieren millionenfach Teilhabe oder Ausschluss: die digitalen Aufrüstungen dazu sind mittlerweile in allen Flughäfen der Welt montiert. In den Zeiten des Terrors werden gated communities, war rooms und die Architekturen der Sicherheit und Fluchtlogistik zu Leitbildern städtebaulicher Paranoia. Das Operieren in den Räumen (man denke an die „Lufthoheit“ oder die „Handlungsräume“) und gekonntes Umgehen mit Räumlichkeiten mitsamt dem einschlägigen Orientierungs- wie Handlungswissen und den beigesellten Träumen von Schlaraffenländern, dem Paradies und anderen unzeitgemäßen Lokalitäten entscheiden über die Verteilung von Macht, Ausbeutung, Reichtum – und Veränderung. Grund genug, sich mit dem Thema „Raum“ zu befassen. Der geeignete Ort dafür ist die Villa Palagione bei Volterra auf italienschem Territorium, die Zeit reicht vom 11. bis 18. August 2007, die Zugangsschwelle für das Wochenereignis der 5.Villa Rossa besteht im großen und ganzen nur aus dem üblichen Selbstkostenbetrag (schwankend zwischen 450 und 500 €, je nach Lokalität). Es soll zwar auch „Nicht-Räume“ und „Nicht-Orte“ (Marc Augé) geben und George Ritzer publizierte jüngst gar ein Buch über die „Globalisierung des Nichts“ – auf die Herbstakademie 2007 trifft das alles aber überhaupt und nämlich gar nicht zu. Im Ablauf der Tagungswoche
sollten jedenfalls vier Abteilungen vorkommen:
Beiträge von: Marco Tullney und Bettina Köhler, Oliver Lerone Schultz, Hans Jürgen Krysmanski
Beiträge von Ulrich Brand, Rainer Fischbach, Marco Tullney, [Hermann Bömer], Markus Euskirchen, Henrik Lebuhn, INURA, Bettina Köhler
Beiträge von Andrej Holm, Siegfried Timpf, Johanna Klages, Ronald Lutz, Miaomiao Zhu
Beiträge von Manfred Lauermann, Lars Claussen, Peter Hauck-Scholz
Es hat eine so große Zahl von Angeboten für Referate und Beiträge gegeben, die alle so lohnenswert waren, dass wir eine Veränderung gegenüber der bisherigen volterranischen Praxis vorgenommen haben: wir unterscheiden zwischen Debatte und Vortrag und wollen zu einigen Themen eine Art Podiumsdebatte mit jeweils längeren input-statements machen aus verschiedenen Richtungen und zu je spezifischen Aspekten; dann sollte es auch Debattenrunden geben - natürlich die Gesamtdebatte eingeschlossen. Zu einigen Themen wird es Bilder / Film-Begleitmaterial geben. Und zuletzt ein wichtiger Hinweis: falls das Haus zurückgegebene Zimmer nicht neu vermieten kann, fallen die entsprechenden Zimmerkosten (nicht: die Mahlzeiten) dennoch an - das gilt ab Anfang Juli.
Kontakt: Rainer Rilling -> rillingr@mailer.uni-marburg.de |