Falling into Marxism; Choosing to Stay

Erik Olin Wright ist ein spannender linker Soziologe. Spannend, weil seine Publikationen seit Jahrzehnten immer unerwartete Gegenstände, Ideen und Ergebnisse vorführen. Seine Texte sind lohnenswert und lesenswert. Zwei Interviews von 2001 auf seiner Website (u.a. mit Kirby ) die ungewöhnlich viel Texte online stellt, geben Innensichten auf seine Arbeit, die wie kaum eine andere zur marxistischen Arbeit zu den Themen Klassen, Gleichheit und Utopien beigetragen hat. Nun gut, ein bisschen viel Weber oder Offe und Habermas. In dem Band “The Disobedient Generation. Social Theories in the Sixties” skizziert er in einem Beitrag “Falling into Marxism; Choosing to Stay“, der leider nicht online zugänglich ist, biographische Fragmente. Wer die unsäglichen Exhibitionismen 68er Altlinker über sich hat ergehen lassen müssen, die den Einbildungen ihrer Machtkarrieren glaubten unbedingt auch noch Details aus ihrem in aller Regel peinlichen Privatleben hinzufügen zu müssen, dem ist die Lektüre dieses Notizen eine angenehme Abwechslung. Es geht über die Entscheidung, nicht nur den Marxismus zu nutzen, sondern etwas zu ihm beizutragen, um klare Referenzen zu haben, Verantwortlichkeiten gegenüber ganz eigenartigen “peer groups” zu haben, zugleich die Kooptation an die akademischen Versuchungen zu konterkarieren: „Falling into Marxism; Choosing to Stay“ weiterlesen

Ein Ende

Mark Weisbrot vom Center for Economic and Policy Research (Washington) hat im International Journal of Health Services 4/2006 einen sehr übersichtlichen Artikel zu “Latin America: The End of An Era” publiziert.

Empowerment

Die London School of Economics and Political Science legt kontinuierlich eine ganze Reihe interessanter mehr oder weniger linksakademische Beiträge aufs Netz. Ein paar auffällige sind: Sozialismus als soziale Ermächtigung debattiert Erik Olin Wright, über die größten Probleme der Welt berichtet Bjorn Lomborg und Zygmunt Baumann reflektiert Macht und Politik. Anthony Giddens verhandelt über Reiche und Arme und das American Empire , während Paul Krugman das Verschwinden von Amerika diagnostiziert, John Hills über Ungleichheit und Staat und nochmals Giddens über Egalitarismus. Martin Loughlin behandelt Gleichheit, Tony Atkinson informiert über Spitzeneinkommen in England. Eine sehr gut gegliederte Einführung in die gute alte Eigentumsfrage bietet Kim im Rahmen der MIT OpenCourseWare.

P.S. Eine bemerkenswerte Menge von Videovorlesungen sammelt der Research Channel und hier finden sich open access journals und podcasts (mit ziemlich viel Schrott dabei).

Affektives Kapital

Einer jener Begriffszusammenhänge, die Michael Hardt und Antonio Negri in ihrem Band Empire entwickelten und der besonders rascher Ablehnung anheim fiel, war der Bezug auf das affektive Kapital. Im Unterschied zu anderen Kategorien des Bandes wurde er ignoriert. Ein wesentlicher und nachvollziehbarer Grund lag sicherlich darin, dass die Autoren die Problematik dieses Begriffs beiseite legten, die natürlich (ähnlich wie bei den Bourdieu`schen Kapitalkategorien u.v.m.) darin bestand, dass sie in der Tradition der frühen klassischen bürgerlichen Ökonomie Kapital auf eine Ressource unter vielen reduzierte und mit der Marx`schen Bestimmung von Kapital als gesellschaftlichem Verhältnis eine Absage erteilte. Eine kurze Notiz im Blog Posthegemony zur Rolle Lateinamerikas bei der Bereitstellung affektiven Kapitals zeigt, wie sinnvoll dieser Zugang sein kann. „Affektives Kapital“ weiterlesen