{"id":4332,"date":"2025-12-26T13:54:49","date_gmt":"2025-12-26T13:54:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rainer-rilling.de\/blog\/?p=4332"},"modified":"2025-12-31T12:24:03","modified_gmt":"2025-12-31T12:24:03","slug":"konflikte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rainer-rilling.de\/blog\/?p=4332","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading has-vivid-red-color has-text-color has-link-color has-x-large-font-size wp-elements-e01a9e15950aef12a5084a5c73cac1b5\"><strong>Konflikte<\/strong><\/h1>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.rainer-rilling.de\/blog\/wp-content\/uploads\/\/tumblr_lo4cndCh1B1qeencuo1_1280.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/www.rainer-rilling.de\/blog\/wp-content\/uploads\/\/tumblr_lo4cndCh1B1qeencuo1_1280-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1291\" srcset=\"https:\/\/www.rainer-rilling.de\/blog\/wp-content\/uploads\/tumblr_lo4cndCh1B1qeencuo1_1280-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.rainer-rilling.de\/blog\/wp-content\/uploads\/tumblr_lo4cndCh1B1qeencuo1_1280-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.rainer-rilling.de\/blog\/wp-content\/uploads\/tumblr_lo4cndCh1B1qeencuo1_1280.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted has-black-color has-text-color has-link-color has-x-large-font-size wp-elements-ff34f3ce36193e5171efcd0b5f8e7c21\"><\/pre>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote has-white-background-color has-background\" style=\"border-width:33px;border-top-left-radius:100px;border-top-right-radius:100px;border-bottom-left-radius:100px;border-bottom-right-radius:100px\"><blockquote><p><strong>Konflikte nerven! Es lebe der Konflikt!<br \/><em>Ein Essay aus der Villa Rossa <\/em><br \/>Dr. G\u00fcnther Bachmann<br \/>Zusammenfassung<\/strong><\/p><cite>Umstellt von Konflikten<br \/>Definition des Konfliktes<br \/>Die Unterlassung<br \/>Das Aufkl\u00e4rungs-Paradox<br \/>Geparkte, ignorierte Konflikte<br \/>Bewohnte Konflikte<br \/>Der Lawinenkonflikt<br \/>Die Farce als Konflikt<br \/>Das Konfliktverh\u00e4ltnis besch\u00e4digt das politische Handeln<br \/>Die Volle Welt<br \/>Der gelingende Konflikt<br \/>Verwendete Literatur<br \/>Literarische Werke mit Anregungen zur Konfliktbearbeitung<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted has-medium-font-size\" style=\"font-style:normal;font-weight:800\"><\/pre>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\"><\/pre>\n\n\n\n<p>Man erkennt ihn, wenn man ihn f\u00fchlt: Den Konflikt. Wir f\u00fchlen ihn \u00fcberall: Durch<br \/>geopolitische Sicherheit und neue geo\u00f6konomische Macht sowie massive Ver\u00e4nderungen<br \/>bei Demografie, Sicherheit, Klima, Mobilit\u00e4t, Energie und digitaler Macht. \u00dcberall im<br \/>eigenen Lebensumfeld erlebt man Konflikte. Und man ist Zeitzeuge von Kriegen, von<br \/>heftigen Zoll- und Handelskonflikten und Streit um Grenzen und nat\u00fcrliche Ressourcen.<br \/>Zwischen gleicherma\u00dfen legitimierten Anliegen gibt es Zielkonflikte, deren Erreichung sich<br \/>gegenseitig ausschlie\u00dft oder die sich gegenseitig zumindest ganz ordentlich im Weg<br \/>stehen. Die (vermeintliche) L\u00f6sung einer Krise l\u00f6st oftmals umgehend ein neues Problem<br \/>aus, manche Konflikte scheinen ewig zu bestehen, andere sind so normalisiert oder sie<br \/>werden so gr\u00fcndlich geschwiegen, dass sie in der \u00d6ffentlichkeit als Konflikt gar nicht mehr<br \/>auffallen. <\/p>\n\n\n\n<p>Jeden einzelnen Konflikt hat es f\u00fcr sich genommen schon gegeben. Dass die Demokratie sich selbst gef\u00e4hrdet, hat man auch schon erlebt. Dass die Umwelt zerst\u00f6rt wird, ist lange bekannt und an vielen Orten zu sehen. Dass die Reichen und M\u00e4chtigen auf Kosten der Armen leben, kennen wir seit Jahrtausenden. Dass es S\u00e4tze und Worte gibt, die man nicht <br \/>sagen darf, hat es auch schon immer gegeben. Politische Interessengegens\u00e4tze, die in<br \/>Konflikten und Klassenk\u00e4mpfen ausgetragen wurden, gab es schon immer. Aber jetzt wird<br \/>der Konflikt in Art und Anzahl versch\u00e4rft &#8211; mit der Aufk\u00fcndigung regelbasierter<br \/>internationaler Ordnungen und dem Ersatz des V\u00f6lkerrechts durch das feudal-autorit\u00e4res<br \/>Dealmaking und des Multilateralismus durch Partikularismus. Gemeinsamkeiten, etwa im<br \/>Klimaschutz, im Handel, in der Entwicklungspolitik, im V\u00f6lkerrecht werden kurzerhand<br \/>\u00fcber den Haufen geworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenngleich Konflikte an sich normal sind, ist es ihre penetrante Aufdringlichkeit nicht. Das<br \/>Konflikthafte ist allgegenw\u00e4rtig erlebbar. Es wird im wahrsten Sinn zu einer<br \/>Alltagserfahrung in den enger werdenden \u00f6ffentlichen R\u00e4umen der St\u00e4dte, wo Menschen<br \/>immer schneller unterwegs sind, sich nicht mehr ins Gesicht schauen und wo der<br \/>\u00f6ffentliche Raum eher schnell \u00fcberwunden wird statt ihn zur sozialen Begegnung zu<br \/>nutzen. Rechtsextreme eskalieren so gut wie jedes Thema zu einem Mega-Konflikt.<\/p>\n\n\n\n<p>In der fortschreitenden, materiellen Spaltung der Gesellschaft wirken die Algorithmen der<br \/>digital-feudalen Konzerne als Brandbeschleuniger. Sie geben Gruppen und Gr\u00fcppchen<br \/>die M\u00f6glichkeit, sich immer st\u00e4rker auszudifferenzieren, indem sie Unterschiede und<br \/>Konflikte betonen. Die individuelle Selbstverwirklichung ist nicht mehr Teil einer<br \/>gesellschaftlichen Emanzipation, sondern unterliegt dem Druck Selbstvermarktung und<br \/>der Zuordnung von Identit\u00e4ten. Dieser Druck ist letztlich ein \u00f6konomischer und hat seine<br \/>Wurzeln in der neoliberalen Konzeption von Wirtschaft und Gesellschaft. Netzbasierte<br \/>Medien setzen an diesen Druck an und best\u00e4rken ihn. Sie mobilisieren die<br \/>Aufmerksamkeits\u00f6konomie und die psychologische Erregbarkeit. Dabei verengen sie das<br \/>Meinungsspektrum unzul\u00e4ssig (Precht und Welzer 2022).<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00e4nner streiten zudem anders als Frauen, meist heftiger und in der Regel vor allem auch<br \/>gewaltt\u00e4tiger, was im Umgang mit Konflikten kaum wirklich n\u00fctzt. Soziale und ethnische<br \/>Gruppen streiten unterschiedlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Konflikte gelten in aller Regel als unangenehm. Sie nerven. Man vermeidet sie, wenn es<br \/>geht. Konflikte anzusprechen, macht unbeliebt und ist oft eine Quelle von Angst oder wird<br \/>als \u00fcbergriffig empfunden. Es mag in anderen L\u00e4ndern und Kulturen anders sein, aber in<br \/>Westdeutschland kultivierte man im Kalten Krieg eine Abneigung gegen politische <br \/>Konflikte. Das Ansprechen eines Konfliktes wurde mit einem \u201edann geh\u2019 doch r\u00fcber\u201c<br \/>quittiert, nicht aber mit der Sachauseinandersetzung. Der Mythos der Konfliktlosigkeit<br \/>bedient die allgemein vorherrschende Sehnsucht nach Autorit\u00e4t. In dieser Sicht bedroht<br \/>nicht der Konflikt die Ordnung, sondern diejenigen sind bedrohlich, die ihn ansprechen<br \/>oder repr\u00e4sentieren. Denn, wenn es auch eine konfliktbehaftete Ordnung ist, so ist es<br \/>doch eine Ordnung, an die man sich gew\u00f6hnt hat und man kann nicht wissen, was danach<br \/>kommt; zumal die ersehnte Autorit\u00e4t auch von eigener Verantwortung entlastet.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem solcherart gepr\u00e4gten und vorbereiteten Umfeld bewirkt die objektive Zunahme<br \/>der Anzahl und Sch\u00e4rfe von Konflikten eigenartige Reaktionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Reaktion kommen verschiedene Optionen in Frage. Beispielhaft sei die Option<br \/>erw\u00e4hnt, alles Konfliktbeladene auf den Feind zu projizieren (wahlweise das<br \/>Parteiensystem, die Migranten, die Juden, die Frauen, die B\u00fcrokratie, fossile<br \/>Unternehmen oder Unternehmen generell), w\u00e4hrend das eigene Lager harmonisch ist und<br \/>im \u201erichtigen Leben\u201c verbleibt. Ein andere Option ist die Erh\u00f6hung des Konfliktes durch<br \/>das Bedienen und Anstacheln von Vorurteilen und bereits vorhandenen Einstellungen. So<br \/>werden Konflikte provoziert, ausgeweitet, eskaliert, mit Wut und Emp\u00f6rung aufgeladen.<br \/>Das instrumentalisiert den Konflikte f\u00fcr die Best\u00e4tigung der eigenen Position.<\/p>\n\n\n\n<p>In allen F\u00e4llen tr\u00e4gt das zu dem schiefen Bild bei, das die demokratische Arbeit am<br \/>Konflikt heutzutage abgibt. Der Begriff Parteienstreit ist ein Warn- und Schimpfwort.<br \/>Sofort wird auch mit dem Hinweis auf \u201eWeimarer Verh\u00e4ltnisse\u201c gedroht. Konflikte werden<br \/>zum Grundproblem der Parteiendemokratie stilisiert. Als Alternative wird die Einigkeit der<br \/>Demokraten beschworen. Zu Unrecht, dann Einigkeit ist keine St\u00e4rke der Demokratie.<br \/>Das Sprechen mit einer Stimme, die Einm\u00fctigkeit ist der Demokratie wesensfremd.<br \/>Allenfalls bei formalen Abl\u00e4ufen und Prozeduren ist eine allseitige Zustimmung von Vorteil.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist also kein Wunder, dass wir auf dem Weg von der Risiko- zur Konfliktgesellschaft<br \/>sind. In den 80er-Jahren pr\u00e4gte das Wort von der Risikogesellschaft die-Soziologie. Ulrich<br \/>Beck meinte damit den Umgang mit Schadstoffen und technischen Risiken wie dem AKW<br \/>Tschernobyl. Er sah Konflikte um Risiken als Zentralbegriff eines aufgekl\u00e4rten Umgangs<br \/>mit dem Anthropoz\u00e4n. Das hat nicht geklappt. Geblieben ist ein undifferenziert risiko<br \/>feindliches akademisches Milieu. Geblieben ist auch die Diskussion um Wahrheit und<br \/>Mehrheit und der Konflikt um diese beiden Pole (Strohschneider 2024). Vielleicht ist dieser<br \/>Gegensatz sogar aktueller denn je. Darauf deuten die gegenw\u00e4rtige Tendenz zum<br \/>Rollback des Klimaschutzes und die geschrumpfte Relevanz der Nachhaltigkeitspolitik hin<br \/>bis hin zur von Rechts versuchten De-Legitimierung von B\u00fcrgergruppen,<br \/>Umweltverb\u00e4nden oder Fridays for Future.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mehrheitsentscheidung gilt als \u201edas\u201c zentrale Prinzip der Demokratie, aber das ist<br \/>wom\u00f6glich etwas zu kurz gegriffen. Denn es kommt wesentlich auf die politische<br \/>Willensbildung des Volkes an. Sie entsteht durch \u00f6ffentlichen Diskurs von Konflikten, wie<br \/>zum Beispiel dem Streit um die Atomkraft, den Aufgaben der Transformation, der<br \/>Pandemiebek\u00e4mpfung, dem B\u00fcrgergeld, der Geschlechter-Gerechtigkeit etc.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein klassisches Beispiel f\u00fcr das Versagen der politischen Willensbildung ist der Umgang<br \/>der politischen Parteien der 70er und 80er Jahre mit der \u00d6kologie. Alle verloren ihre<br \/>jeweiligen \u00f6kologiepolitischen Vordenker der ersten Stunde (Herbert Gruhl, Klaus T\u00f6pfer,<br \/>Volker Hauff, Erhard Eppler, Rudolf Bahro, Antje Vollmer, Hansj\u00fcrgen Menke-Gl\u00fcckert,<br \/>Horst Hartkopf, Ernst Ulrich von Lersner) oder stellten sie ins Abseits. Sie tun sich bis<br \/>heute schwer mit der gesellschaftlichen Meinungsf\u00fchrerschaft zu diesem Thema. Diese<br \/>L\u00fccke besetzen seither die Wissenschaft und zivilgesellschaftliche Bewegungen,<br \/>etablieren ihrerseits aber eine Misstrauenskultur gegen\u00fcber der Politik. Das zeigen<br \/>\u00f6ffentliche Einlassungen wie Wir wissen genug, warum handeln wir nicht?, Physik ist nicht<br \/>verhandelbar!, Wie kommen wir vom Wissen zum Handeln?.<\/p>\n\n\n\n<p>Die politische Willensbildung muss regelhaft misslingen, wenn es den Argumente nur<br \/>darum geht, eine Auseinandersetzung zu \u201egewinnen\u201c oder \u201eFlagge zu zeigen\u201c. Sie gelingt<br \/>dagegen, wenn Argumente Erkenntnisfortschritt erlauben und erst damit Willensbildung<br \/>bewirken. Diese Art der Herangehensweise &#8211; nach dem Grundgesetz eine Aufgabe der<br \/>Parteien, f\u00fcr die sie aus dem Steuereinkommen bezahlt werden &#8211; erfordert pers\u00f6nliche<br \/>und institutionelle Kompetenzen. Sie werden bis heute weder ge\u00fcbt, noch verbreitet.<br \/>Parteien tendieren zunehmend dazu, die politische Willensbildung des Volkes durch<br \/>immer neue Beteiligungs- und Begleitformate zu simulieren. Das soll sie selbst aus der<br \/>Pflicht nehmen, allerdings ohne auf die besagten Finanzmittel zu verzichten. Dieses<br \/>Missverh\u00e4ltnis nagt an der Demokratief\u00e4higkeit. Deshalb ist die Verst\u00e4ndigung \u00fcber gro\u00dfe<br \/>Herausforderungen so schwer und bleibt oft im Konflikt stehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Definition des Konfliktes<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Konflikt wird \u00fcblicherweise durch eine Situation definiert, in der Personen oder<br \/>Gruppen mit unterschiedlichen Interessen, Absichten, Zielen oder Haltungen und<br \/>Einstellungen aufeinandertreffen, wobei die Unterschiede jeweils inakzeptabel erscheinen<br \/>und die Annahmen der Beteiligten in Bezug auf die Haltungen der jeweiligen Gegenseite<br \/>und die Ursache des Konflikts unterschiedlich sind und sich widersprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Konflikt ist ein reflexiver Begriff. Erstmals griff Krysmanski (1971) in seiner Definition von<br \/>Konflikt diese Reflexion auf, die er als didaktische Denkbewegung bezeichnet. Die<br \/>Reflexion setzt die Interaktion der jeweiligen Konfliktparteien voraussetzt. Erst wenn die<br \/>Seite A wei\u00df (ihr bewusst ist), dass die Seite B sich \u00fcber das Bestehen des Konfliktes im<br \/>Klaren ist, und umgekehrt, entfalten Konflikte ihre volle Wirksamkeit in Resonanz und<br \/>Interaktion.<\/p>\n\n\n\n<p>Konflikte haben immer mehrere Seiten und folglich sind auch mehrere Perspektiven<br \/>relevant. Die Beteiligten wissen um ihre Abh\u00e4ngigkeit voneinander. Dieses Wissen kann<br \/>ausgearbeitet und klug sein; es kann unbeholfen, ignorant und egoistisch-verquer sein &#8211;<br \/>immer ist es handlungsrelevant und definiert, was den Konflikt ausmacht. Nicht allein ein<br \/>sachliches Problem als solches, sondern erst dessen Kombination mit dem sozial<br \/>verankerten Wissen und Handeln definiert den Konflikt-Begriff.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der Sachebene sind Konflikte oft das, was man \/ frau daraus macht.<br \/>Konfliktbehandlung geht nicht ohne das Einf\u00fchlen in das Denken des Gegen\u00fcber. Jede<br \/>Erwartung an das Handeln der anderen Konfliktparteien ist ein extra Quantum an<br \/>Konfliktpotenzial, weil dieses Handeln anders als erwartet sein kann, auf das eigene<br \/>Handeln oder Nicht-Handeln reagiert oder Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten von dritter, unbekannter<br \/>Seite nachkommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu n\u00e4heren Analyse der Aktivit\u00e4ten, die Probleme l\u00f6sen sollen, f\u00fchrt Krysmanski das<br \/>Konzept der Leistungen ein. Den Leistungen, die in der Sache durchaus verschieden sein<br \/>k\u00f6nnen (und m\u00fcssen), legt Krysmanski einen Ma\u00dfstab zugrunde, der sie am Grad der<br \/>Bewusstheit der Konflikt-Teilnehmer und an der materiellen Bedeutung des Konfliktes<br \/>bemessen will. Sehr weiterf\u00fchrend ist sein Gedanke, die entsprechende Leistungsf\u00e4higkeit<br \/>einen allgemeinen Sozialisierungsvorgang impliziert, der auf Strukturen bezogen ist und<br \/>dazu dienen soll, dass sich die Individuen an die gesamtgesellschaftlich vorhandenen<br \/>(und erschaffbaren) M\u00f6glichkeiten anpassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur definitorischen Durchdringung des Begriffes Konflikt geh\u00f6rt daher auch das<br \/>Verst\u00e4ndnis der komplexen, vielgestaltigen und vielstimmigen Dynamik von Konflikten.<br \/>Hier\u00fcber eine Verst\u00e4ndigung herbeizuf\u00fchren ist eine hohe politische F\u00fchrungsaufgabe, die<br \/>neue Formen der Ko-Operation und der Findung von gemeinsamen Denklinien erfordert.<br \/>Ueberhorst (2011) hat diese Anforderungen aus der politischen Praxis heraus entwickelt,<br \/>verallgemeinert und &#8211; wenn man so will &#8211; die Praxis der Diskursleistung als eine besondere<br \/>Form von Theorie betrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Kein Konflikt bleibt so wie er begonnen hat. Konflikte produzieren Neuigkeiten und sie<br \/>brauchen Neuigkeiten, um ihrer Identit\u00e4t und Sichtbarkeit wegen. Transformation ist das<br \/>Gesetz des Konfliktes. Beispiele hier f\u00fcr sind der lang andauernde Konflikt um die<br \/>Kernenergie und die Endlagerung von Atomm\u00fcll, der Streit um Stuttgart21 oder auch um<br \/>das Staatsb\u00fcrgerrecht.<\/p>\n\n\n\n<p>Konflikte k\u00f6nnen das Blickfeld der in Konflikt stehenden Parteien zuweilen verengen.<br \/>Wenn A mit B im Konflikt ist, kann es sein, dass A recht hat und B unrecht. Und es kann<br \/>umgekehrt sein. Aber durchaus m\u00f6glich ist, dass weder A, noch B recht haben und dass<br \/>sie diese M\u00f6glichkeit selbst gar nicht sehen, weil ihr Blick so auf das Bezugssystem der<br \/>anderen Seite fokussiert ist. Nur eine dritte Person mit \u201eBlick von au\u00dfen\u201c kann unter<br \/>Umst\u00e4nden beschreiben, was beide nicht sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Konflikte k\u00f6nnen auch das Blickfeld der Konfliktparteien vergr\u00f6\u00dfern. Das verlangt<br \/>Empathie. Empathie ist allerdings eine endliche Ressource. Sie zu bewahren und zu<br \/>mehren, hat einen sozialen Preis, den viele Menschen nach traumatischen<br \/>Konflikterfahrungen oft nicht mehr aufbringen. Dennoch haben demokratisch gef\u00fchrte &#8211;<br \/>und gel\u00f6ste &#8211; Konflikte durchaus das Potential, Lerneffekte anzuregen, und sie tragen zur<br \/>Erweiterung des Blickfeldes bei.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt viele Arten von Konflikten, so wie es viele Sorten von Schnee und Regen gibt. Nur<br \/>haben wir &#8211; im Gegensatz zu den Niederschl\u00e4gen &#8211; keinen \u00fcbergreifend differenzierenden<br \/>und stabilen Begriffs-Apparat, von einer allgemeinen soziologischen Theorie des<br \/>Konfliktes ganz zu schweigen. Ein Grund mag der Wirklichkeitsvorsprung der Praxis<br \/>gegen\u00fcber der Theorie sein. Der moderne Konflikt entwickelt sich in der Regel schneller<br \/>als seine sozialwissenschaftliche Durchdringung. Es ist wie beim Hasen und dem Igel.<br \/>Wenn die Theorie ankommt, ist die Praxis schon l\u00e4ngst woanders.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Definition von Konflikt regt also durchaus nahe, dass Konflikt eine<br \/>politikwissenschaftliche Kategorie ist, oder zumindest einen guten Anlass daf\u00fcr gibt, den<br \/>den sozialen Charakter des Konflikts gr\u00fcndlich zu untersuchen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Unterlassung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder kommen wissenschaftliche Analysen zum Thema Konflikt auf Karl Marx<br \/>zur\u00fcck. Das ist mehr als verst\u00e4ndlich, denn mit der Industriellen Revolution und mit Karl<br \/>Marx treten Konflikte in einen welthistorischen Kontext. War ihre Dimension zuvor meist<br \/>religi\u00f6s (Reformation versus Anti-Reformation) und personal (Kaiser versus Papst) oder<br \/>spielten sich horizontal ab (Grafschaft versus Grafschaft, K\u00f6nig versus K\u00f6nig), so werden Konflikte nunmehr strukturell. Nach M\u00fcller-Jentsch (2010) benutzt Marx den Begriff<br \/>Konflikt zwar h\u00e4ufig, allerdings ohne eine explizit ausgearbeitete Begriffsarbeit mit<br \/>theoretischen Rahmen. Er stellt ferner fest, dass die dann folgenden<br \/>Sozialwissenschaften der Kategorie Konflikt eine systemsprengende Wirkung zumessen,<br \/>aber den Konflikt als \u201edynamisches Bewegungszentrum endogenen gesellschaftlichen<br \/>Wandels\u201c nicht im Einzelnen thematisieren. Nachfolgend wurde viel und variantenreich<br \/>\u00fcber den marktwirtschaftlich-kapitalistischen wie auch den staatlich-institutionellen Kern<br \/>von Konflikten nachgedacht und die Betrachtung von Konflikten wuchs in die<br \/>theoretischen Grundlagen der \u00f6ffentlichen Kommunikation und der politischen Ethik<br \/>hinein. Erstmals spricht Krysmanski (1971) von der Aufnahmef\u00e4higkeit der Gesellschaft<br \/>f\u00fcr geregelte Konflikte und kalkuliertes Risiko.<\/p>\n\n\n\n<p>Hans J\u00fcrgen Krysmanski (1971) beginnt seine Konfliktsoziologie mit der Feststellung,<br \/>dass es keine einheitliche Soziologie des Konfliktes gebe, sondern nur Materialien und<br \/>Modelle. Krysmanski analysiert zun\u00e4chst die Aussagen zum Konflikt bei den<br \/>sozialwissenschaftlichen und philosophischen Klassikern bis zu Ralf Dahrendorf (1992)<br \/>und seiner Diagnose des modernen sozialen Konfliktes als Antagonismus von Anrechten<br \/>und Angebot zwischen fordernden und saturierten Gruppen.<\/p>\n\n\n\n<p>Krysmanski referiert vielf\u00e4ltige Ans\u00e4tze zur Sortierung der Erscheinungsformen der damals gel\u00e4ufigen Konflikte. Laut Krysmanski haben die allt\u00e4glich wahrnehmbaren Konflikte in und um Familie und Betrieb in den 50er und 60er Jahren gr\u00f6\u00dfere und tiefergehende Fragen \u201eaufgewirbelt\u201c, die w\u00e4hrend des wirtschaftlichen Aufschwungs unbekannt und vom Nachkriegs-Schweigen verdeckt waren. Sie wurden Teil des gesellschaftlichen Aufbruchs Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre. Krysmanski mahnt ein wissenschaftliches Selbstverst\u00e4ndnis an, dem es darum gehen m\u00fcsse, den Bewegungen und der Beweglichkeit der gesellschaftlichen Praxis einerseits zu folgen und sie andererseits zu ver\u00e4ndern. Das ist ein Anspruch, der heute erst in Umrissen (Eckert 2004, Bieling 2005, Urban und Hebel 2023, Eversberg 2024, D\u00f6rre, Liebig, Lucht 2024) erf\u00fcllt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch immer gibt keine generelle Soziologie der Konfliktverh\u00e4ltnisse, wenngleich sich<br \/>Materialien und Modelle quantitativ ausgeweitet und qualitativ gewandelt haben. Jede<br \/>Gesellschaft erzeugt immerfort Konflikte. Das war schon immer so und vermutlich wird es<br \/>sich auch fortsetzen. Und es war gut: Der Umgang mit Konflikten hat letztlich die<br \/>Demokratie begr\u00fcndet, hat die Menschheit kl\u00fcger gemacht und beigetragen, dass Wissen<br \/>und K\u00f6nnen im historischen Ma\u00dfstab anwuchsen. Dem Konflikt \u201ean sich\u201c entkommt<br \/>niemand, egal ob die Konflikte Kampf ausl\u00f6sen oder ob sie in die Normalit\u00e4t eingebettet<br \/>und vergessen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese zivilisatorische Tugend des Konfliktes heute allerdings zur Disposition. Die<br \/>Konfliktverh\u00e4ltnisse haben sich ver\u00e4ndert. Die Klassenkonflikte wurden Schritt f\u00fcr Schritt<br \/>entsch\u00e4rft als man damit begann, den Konflikt zu institutionalisieren. Seine eruptiven,<br \/>rebellischen Formen traten in den Hintergrund oder verschwanden ganz, indem die<br \/>Arbeiterbewegung politische Anerkennung und Rechtsstatus durch Mitbestimmung, Tarif-<br \/>und Arbeitsrecht erk\u00e4mpfte. Die Sozialversicherung, die soziale F\u00fcrsorge und<br \/>Subventionen zum Eigenheimbau, zum Pendeln und zum Verbrauch fossiler Ressourcen<br \/>hoben den Sozialstatus der Arbeitenden an und stabilisierten gleichwohl die Ungleichheit<br \/>bei Einkommen, Verm\u00f6gen, Macht und Status. Die Bedeutung der Tarifbindung nimmt<br \/>zwar ab und das Aufstiegsversprechen durch frei zug\u00e4ngliche Bildungswege wird immer<br \/>weniger wahrgenommen. Und dennoch: Obwohl die Ungleichheit teils sogar noch vertieft<br \/>wird, nimmt die einst schichten- und gar klassenspezifische Solidarit\u00e4t ab und wird ersetzt<br \/>durch Individualisierung, Statuskonsum und die netzbasierte Gruppenbildung.<br \/><br \/>Die soziale Dimension von Konflikten h\u00e4lt also an. Sie versch\u00e4rft sich vor allem im<br \/>globalen Ma\u00dfstab und wirkt in gro\u00dfem Stile als Treiber f\u00fcr Vertreibung und Migration<br \/>sowie deren kriegerischen und konflikt\u00e4ren Sekund\u00e4rwirkungen. Als Ausl\u00f6ser von sozialen<br \/>Konflikten werden zunehmend Umst\u00e4nde festgemacht, die etwas mit mineralischen und<br \/>nat\u00fcrlichen Ressourcen, mit D\u00fcrren und anderen Ver\u00e4nderungen der nat\u00fcrlichen<br \/>Lebensverh\u00e4ltnisse zu tun haben.<br \/>Auffallend ist, dass es die wissenschaftliche Durchdringung unterl\u00e4sst, zwei Aspekte<br \/>heutiger Konflikte zu einem wesentlichen Gegenstand ihrer Analysen zu machen. Ad 1) In<br \/>der Auseinandersetzung mit Konflikten dominiert die Sicht auf die sozialen Dimensionen.<br \/>Die sozialen Fragen sind ohne Zweifel wichtig, aber im Vergleich zur Sozialen Frage wird<br \/>die \u201eNaturale\u201c Frage weitgehend unterbewertet. Das verwundert insbesondere, da sich<br \/>schon Karl Marx eingehend zu den Konfliktverh\u00e4ltnissen von Menschen und \u00d6kologie<br \/>ge\u00e4u\u00dfert hat (Detering 2025, Foster 2024, D\u00f6rre et al 2024). Ad 2) Nicht betrachtet wird<br \/>die Binnenwelt und Eigenwirksamkeit, die bestimmte Konfliktverh\u00e4ltnisse pr\u00e4gt, die weiter<br \/>unten ausgef\u00fchrt wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Aufkl\u00e4rungs-Paradox<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>Soziale Triggerpunkte sind nicht nur symbolisch stehende Chiffren f\u00fcr Weltanschauungen<br \/>sondern sie sind ihrem Wesen nach Aggressionspunkte (Mau, Lux und Westheuser 2023).<br \/>Die eigentlichen sozialen Konfliktlinien m\u00fcssen \u00fcberhaupt nicht angesprochen werden, um<br \/>Konflikte zu \u201etriggern\u201c. Oft wird eine Sachauseinandersetzung sogar gezielt vermieden.<br \/>Stattdessen nutzt man Aufregungspunkte, sch\u00fcrt sie mittels verk\u00fcrzter und auch<br \/>sachfremder Behauptungen und liefert damit die ideal aufgeladene Grundlage f\u00fcr die<br \/>Algorithmen und die Bildsprache der netzbasierten Massenmedien. Nat\u00fcrlich funktioniert<br \/>dies nur, wenn ein Anregungspotenzial f\u00fcr Aggressionen und Affekte gegeben ist. Es<br \/>funktioniert nicht bei einem Anregungspotenzial f\u00fcr das Gegenteil von Aggressionen, also<br \/>f\u00fcr Sanftmut und Friedlichkeit. Es gibt keinen vergleichbaren Triggerpunkt f\u00fcr Sanftmut<br \/>und sein Fehlen wird interessanterweise auch nicht bemerkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Begegnet man einem Aggressionspunkt mit dem aufkl\u00e4rerisch gemeinten Hinweis auf<br \/>sachliche Ungereimtheiten und entlarvt man Fake-News, dann stellt sich oft das<br \/>Aufkl\u00e4rungs-Paradox ein. Paradoxerweise ist zu beobachten, dass aufkl\u00e4rende Argumente<br \/>den negativen Triggereffekt oftmals verst\u00e4rken. Das widerspricht der allgemeinen<br \/>Erwartung an die aufgekl\u00e4rte Fakten-Vernunft. Das Widerlegen von L\u00fcgen und die<br \/>Richtigstellung von Fake-News schadet den Urhebern und ihre Glaubw\u00fcrdigkeit nicht.<br \/>Deren Strategien sind nicht \u00fcber Vernunft und Fakten vermittelt und brauchen auf diese<br \/>auch nicht zu reagieren. Die Konflikte werden eher gr\u00f6\u00dfer, tiefer und radikaler; der<br \/>gesellschaftliche Vorrat an Vertrauen in Politik und Rechtsstaat schrumpft.<\/p>\n\n\n\n<p>Fakten-Vernunft entlarvt die L\u00fcge \u2013 aber nicht das Gef\u00fchl dahinter. Und das Gef\u00fchl wirkt<br \/>st\u00e4rker als die Wahrheit. Gef\u00fchle wie Angst, Wut, Verlust (Kontrollverlust) oder<br \/>Identit\u00e4tsverlust sind resistent gegen\u00fcber logischen Argumenten. Die Grundmauern eines<br \/>wirklich tiefen und dauerhaften Konflikts sind aus Gef\u00fchlen gebaut (Welzer 2025), nur zu<br \/>einem geringeren Ma\u00df aus Sachlogik. Sie sind emotional, nicht rational. Ohnehin kommt<br \/>die Aufkl\u00e4rung in der Regel zu sp\u00e4t, ist zu komplex oder spricht eine viel zu akademische<br \/>Sprache. Die L\u00fcge hat l\u00e4ngst gewonnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Aufkl\u00e4rungs-Paradox findet sich in einer Welt, in der gewohnte Ordnungen (Frie und<br \/>Meier 2023) bedroht sind. Jede Bedrohungslage erzeugt Unsicherheit und veranlasst die<br \/>Menschen, sich eher an ihrem hergebrachten Werten und Weltbildern zu orientieren, weil<br \/>diese ihnen vermeintliche Sicherheit geben. Sie orientieren sich an Emotionen und<br \/>weniger als rational \u00fcbermittelten Informationen. Schon gar nicht automatisch wechseln<br \/>sie auf die Seite der Verk\u00fcnder von Wahrheit, egal wie sicher und zweifelsfrei die Quellen<br \/>wissenschaftlich abgesichert sind. Sie sind eher der Meinung, es sei ohnehin \u201ealles\u201c Lug<br \/>und Trug. L\u00fcgen, auch wenn sie nur von einer Seite aufgestellt werden, bewirken ein<br \/>generelles Misstrauen, kein differenziertes. Die Wissenschaft, die sich mit<br \/>Wahrnehmungs-, Denk- und Entscheidungsprozessen befasst, nennt dies ein confirmation<br \/>bias (im Deutschen ungenau als Best\u00e4tigungsfehler \u00fcbertragen).<\/p>\n\n\n\n<p>Je st\u00e4rker also die Aufkl\u00e4rung, desto fester werden der beharrende Widerstand dagegen.<br \/>Je st\u00e4rker Faktenchecker, Universit\u00e4ten und politische Parteien rechtsextreme Narrative<br \/>entkr\u00e4ften, desto mehr verfestigt sich bei Teilen der Bev\u00f6lkerung der Glaube, dass dieses<br \/>\u201eMeinungskartell\u201c Teil des Konfliktes ist und blockieren die Befassung damit. Die<br \/>Bausteine f\u00fcr diese Blockade sind selten Sachargumente und sie enthalten auch keine<br \/>Elemente, die an den rational gef\u00fchrten Diskurs der Gegenseite ankn\u00fcpfen. Solcherart<br \/>Inhalte brauchen sie nicht, denn sie tragen eine gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig empfundene Haltung vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist falsch, solcherart Gef\u00fchle abzutun, nur weil sie nicht in die Daten-Matrix der<br \/>Vernunft passen. Gef\u00fchle sind ein Signal. In unserem Fall m\u00f6gen sie Verletzungen oder<br \/>fehlende Anerkennung signalisieren. Sie k\u00f6nnen auch die Reaktion auf als unzul\u00e4ssig<br \/>aufgefasste Zuschreibungen sein. Nat\u00fcrlich werden solche Gef\u00fchle auch gezielt<br \/>suggeriert und automatisiert infiltriert, indem mediale Algorithmen sie aufgreifen, bedienen und verst\u00e4rken und sie ggfs in Aggressionen zu transformieren. Ein Faktor k\u00f6nnen auch Gruppeneffekte und Gruppenzw\u00e4nge sein. Meinungen, Haltungen und Verhalten werden angepasst, weil ein Bed\u00fcrfnis nach Anerkennung und Zugeh\u00f6rigkeit besteht, aber auch aus Angst vor Ablehnung. Echokammern werden freiwillig betreten, aber nicht freiwillig verlassen. Nur in letzterem besteht der Zwang. Gruppen k\u00f6nnen im Prinzip auch auch positive Effekte haben, wie die F\u00f6rderung der Solidarit\u00e4t, der Resilienz oder des gemeinsamen Lernens. Im Zusammenhang mit Konflikten haben sie aber vorwiegend negative Folgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Umst\u00e4nde, und insbesondere das Wechselspiel von Rationalit\u00e4t und Emotionalit\u00e4t,<br \/>gilt es zu verstehen, wenn man mit Konflikten zu tun hat. Alle tiefgreifenden, sozialen<br \/>Unfrieden begr\u00fcndenden Auseinandersetzungen best\u00e4tigen das. Die Konflikte um die<br \/>Kernenergie, den Klimaschutz, den Schwangerschaftsabbruch oder die Migration wurden<br \/>und werden mit sachlichen Hinweisen, Daten und Fakten gef\u00fchrt, w\u00e4hrend es mindestens<br \/>zu einem erheblichen Teil um Lebensentw\u00fcrfe und emotionale Erfahrungen mit in die<br \/>Sache eingeschriebenen Verletzungen ging und geht.<br \/>Die Vorstellung, dass ein Konflikt ein reiner Sachkonflikt sei, ist ein Mythos.<br \/><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Geparkte, ignorierte Konflikte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br \/>Wie einst der \u201eKalte\u201c Krieg halten geparkte Konflikte \u00fcber Jahrzehnte. Ein besonders<br \/>krasses Beispiel rankt sich um den dauerhaften Verbleib von hochradioaktivem Atomm\u00fcll<br \/>(\u00fcblicherweise aber falsch als Entsorgung bezeichnet). Die Bundesregierung will den Ort<br \/>f\u00fcr ein Endlager bis 2074 (!) gefunden haben und dann mit dem Bau und der Herrichtung<br \/>des Lagers beginnen. Bis dahin lagert der Atomm\u00fcll in oberirdischen Zwischenlagern an<br \/>alten AKW-Standorten, sofern deren baulicher Zustand f\u00fcr diesen Zeitraum erneut<br \/>genehmigt wird. Die Ank\u00fcndigung dieser neuen Frist ersetzt das vorherige Ziel, bis 2030<br \/>einen Standort gefunden zu haben. Diese Verschiebung signalisiert einen tiefen Konflikt,<br \/>aber eigenartigerweise hat sie keinerlei Protest oder \u00f6ffentliche Debatte ausgel\u00f6st, wer die<br \/>Risikolast tr\u00e4gt, wer zahlt und wer sich \u00fcberhaupt um dieses Aufr\u00e4umen von Erblasten<br \/>k\u00fcmmert. Hier wird ein Konflikt ignoriert. Beteiligte und Betroffene sind im Schweigen<br \/>vereint.<\/p>\n\n\n\n<p>Konflikte mit der Umwelt, besser: im Verh\u00e4ltnis von Mensch und Natur, k\u00f6nnen kurzfristig<br \/>ignoriert und weg-geparkt werden, w\u00e4hrend sie mittel- und langfristig von zentraler<br \/>Bedeutung f\u00fcr das \u00dcberleben sind. Der Kapitalismus wie auch der ehemals-reale<br \/>Sozialismus haben den Konflikt mit der Natur mehrfach und in grandioser Weise<br \/>missachtet. Es geh\u00f6rt zu ihrem historischen Entstehen, dass sie die Natur mit maximaler<br \/>Aggression und milit\u00e4rischem Gehabe attackiert haben. Die Entwaldung gro\u00dfer Teile des<br \/>Amazonas, die \u00d6lf\u00f6rderung in Nigeria, die Rheinbegradigung, der Rhein-Main-Donau<br \/>Kanal, die Infrastruktur f\u00fcr die Nordostpassage und die Umleitung der sibirischen Fl\u00fcsse<br \/>waren und sind symboltr\u00e4chtige Gro\u00dfprojekte. Ihnen gemein ist, dass sie die Natur<br \/>unterwerfen und sie f\u00fcgsam machen. Natur als Opfer. Das ist auch heute so: Die<br \/>Erdumlaufbahn wird mit Satellitenschrot zugestellt. Die Ozeane werden mit Plastik<br \/>verm\u00fcllt. Die globale Erw\u00e4rmung der Erde ist eine geo-\u00f6konomische Selbstverletzung.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ignorieren des Klimawandels versch\u00e4rft die Sch\u00e4den. Es ist ein Konflikttreiber. Der<br \/>Klimawandel und das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten haben eine spezifische und<br \/>sehr ungewohnte Zeit-\u00d6konomie, die man den langen Bremsweg nennt. Auch bei einem<br \/>Ende der Emission von Kohlendioxid dauert die Erderw\u00e4rmung zun\u00e4chst noch an, weil viel<br \/>Treibhausgase im System sind. Deshalb ist es dringlich, Emissionen zu minimieren und<br \/>gleichzeitig den Kohlenstoff in Mangroven, Korallen, W\u00e4ldern und organischen B\u00f6den<br \/>(nat\u00fcrlichen \u00d6kosystemen) im \u00c4quatorg\u00fcrtel zu erhalten und soweit m\u00f6glich weiteren<br \/>atmosph\u00e4rischen Kohlenstoff dort zu speichern. Solidarit\u00e4tspolitisch w\u00e4re dies eine gro\u00dfe<br \/>Umverteilung zu Gunsten des Globalen S\u00fcdens. Das ist im Pariser Klimaabkommen<br \/>vorgesehen &#8211; und wird bisher vielf\u00e4ltig blockiert, unter anderem mit vorgeschobenen<br \/>Hinweisen auf Greenwashing und damit, dass Investoren den extrem teuren Nord<br \/>Technologien wie dem Air Stripping (Maschinen filtern Kohlenstoff aus der Luft) Vorrang<br \/>vor den vergleichsweise viel effektiveren und billigeren S\u00fcd-Technologien geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein anderes Beispiel ist von hoher politischer Relevanz: der Konflikt um B\u00fcrgergeld und<br \/>Grundsicherung. Das B\u00fcrgergeld-System wird von Wenigen missbraucht und dadurch f\u00fcr<br \/>Alle in Misskredit gebracht. Wer den organisierten Missbrauch ignoriert oder rundweg<br \/>unter Rassismus-Verdacht stellt (den Konflikt missdeutet), liegt nicht nur in der Sache<br \/>falsch, sondern l\u00e4dt rechtspopulistische Meinungsmache geradezu ein. Ein<br \/>\u00fcberschaubarer und relativ einfach zu l\u00f6sender Konflikt wird unversehens unl\u00f6sbar und<br \/>zur Ikone stilisiert. Darunter leiden die Menschen am meisten, die sich an dieser<br \/>Konfliktdebatte am wenigsten beteiligen, die Hilfe-Empf\u00e4nger.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf \u00e4hnliche Weise mittels eines vorauseilenden Rassismus-Verwurfes verdr\u00e4ngt wird die<br \/>steigende Angst vor Gewalt und Verwahrlosung (Littering, illegale M\u00fcllablagerung) im<br \/>\u00f6ffentlichen Raum und vor der Art und Weise wie die \u00f6ffentliche Moral und ein<br \/>solidarisches Miteinanders abgelehnt wird.<br \/><br \/><strong>Bewohnte Konflikte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Konfliktparteien eine L\u00f6sung \u00fcberhaupt nicht anstreben oder sie geradezu<br \/>unterbinden, ist dieser Konflikt bewohnt. Sie versprechen sich von der Fortdauer des<br \/>Konfliktes mehr versprechen als von dessen Fortfall. In dieser spezifischen Verwobenheit<br \/>k\u00f6nnen sich die Konfliktparteien auf ihr Gegen\u00fcber verlassen. Unabh\u00e4ngig davon, dass in<br \/>der \u00d6ffentlichkeit aus taktischen Gr\u00fcnden gelegentlich anderes behaupt wird, bildet sich<br \/>eine Konfliktpriesterschaft heraus. Diese agiert selbstsicher, weil kritische andere<br \/>Sichtweisen, die von au\u00dfen herangetragen werden, zuverl\u00e4ssig verdr\u00e4ngt oder rhetorisch<br \/>als St\u00f6rungen abgetan werden k\u00f6nnen. Es geht mehr um die Rolle im Konflikt als um<br \/>dessen L\u00f6sung. So wird ein politischer &#8211; und vor allem auch milit\u00e4rischer und<br \/>kriegstechnischer &#8211; Status quo aufrecht erhalten, auch wenn er prek\u00e4r ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Konflikt-Priesterschaft bewacht den Konflikt. Sie verteidigt sich nach au\u00dfen, indem sie<br \/>Regeln setzt, zum Beispiel die Regeln des Sagbaren und der Konformit\u00e4t. Sie sanktioniert<br \/>Positionen etwa aus der Wissenschaft oder von JournalistInnen, die au\u00dferhalb des von<br \/>der Priesterschaft bewohnten Bereiches liegen, und die etwa Rationalit\u00e4t anmahnen. Die<br \/>Sanktionen kommen in Form von Distanzierung, Emp\u00f6rung, Angriffe auf die Reputation<br \/>und \u00c4chtung. In der Konfliktgesellschaft sind diese Trigger wirkungsvoller als rechtliche<br \/>Sanktionen, weil den Angegriffenen hier keine oder nur sehr eingeschr\u00e4nkt nutzbare<br \/>Rechtsmittel zur Verf\u00fcgung stehen. Wenn fr\u00fcher Menschen nachgesagt wurde, sie seien<br \/>streitbar, galt das als Lob und Anerkennung. Heute ist man mit derselben Haltung eher<br \/>streits\u00fcchtig, eine Krawallb\u00fcrste, ein Streithansel.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Priesterschaft zieht auch daraus eine gewisse Erf\u00fcllung, immer wieder gegen die<br \/>gleiche Wand (des jeweils anderen) anzurennen. Das wiederholte und voraussagbare<br \/>Scheitern wird umgedeutet in etwas besonders Verdienstvolles, n\u00e4mlich eine als<br \/>unersch\u00fctterliche, prinzipienfeste, unerschrockene Beharrlichkeit. Dass diese anderenorts<br \/>als Starrk\u00f6pfigkeit und Unbelehrbarkeit gilt, wird einkalkuliert und mit dem gefl\u00fcgelten Wort ausgerechnet eines Kriegsunternehmers abgetan: Viel Feind, viel Ehr (Georg von<br \/>Frundsberg). Klassische Beispiele sind Kriege und milit\u00e4risch ausgefochtene Konflikte.<br \/>Aber auch im Einwanderungs- und Asylrecht und in der Energiewirtschaft sind bewohnte<br \/>Konflikte zu finden. Bewohnt sich h\u00e4ufig auch emblematische Konflikte um<br \/>Rechtschreibung und korrekte Sprache und Namensbezeichnungen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4u\u00dfere Bedrohungen erzeugen Konformit\u00e4t im Inneren. Die Bedrohung von Ordnung wirkt<br \/>als gro\u00dfer Gleichmacher. Sie verunsichert stark, weil sie unbekannt und kaum in ihren<br \/>Folgen absch\u00e4tzbar ist. Darauf reagieren die betroffenen Menschen im allgemeinen durch<br \/>Angleichung ihrer Haltungen, suchen Zuflucht in einer Wagenburg. Abweichler,<br \/>Besserwisser, Feind-Versteher und Menschen, die sich aus welchen Gr\u00fcnden auch immer<br \/>querlegen, gelten als Sch\u00e4dlinge, werden ausgegrenzt und ggfs. verfolgt. Beispiele aus<br \/>der j\u00fcngsten Zeit sind die Covid-Pandemie und der Krieg Russlands gegen die Ukraine.<br \/>Der Mechanismus hat sich aber auch in der Vergangenheit oft gezeigt (Genehmigung der<br \/>Kriegskredite f\u00fcr den Ersten Weltkrieg), respektive er wurde als Herrschaftsmittel genutzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Anders wirkt ein Konflikt, der innerhalb der Konfliktpriesterschaft ausbricht und bei dem es<br \/>der Priesterschaft nicht gelingt, ihn kalt zu stellen und die Protagonisten zu desavouieren.<br \/>Bedrohung als interner Prozess hat zur Voraussetzung, dass es verschiedene Lager gibt;<br \/>aber vor allem f\u00f6rdert er die Differenzierung von der Mehrheit. Innere Bedrohungen sind<br \/>eher zu \u00fcberschauen und einzugrenzen. Aber wo diese nicht gelingt, entwickeln sie<br \/>erhebliche Sprengkraft.<br \/><br \/>Zu den bewohnten Konflikten geh\u00f6rt mitunter auch die stillschweigende \u00dcbereinkunft<br \/>zwischen W\u00e4hler*innen und Gew\u00e4hlten, bei denen man um einen Konfliktpunkt zwar<br \/>durchaus wei\u00df, seine L\u00f6sung aber dennoch nicht anstrebt, weil man bef\u00fcrchtet, dass<br \/>diese anstrengend wird und die Lage eventuell sogar verschlimmert. Also bel\u00e4sst man<br \/>vorerst alles beim Alten und lebt mit dem Konflikt. Man \u00fcbergeht geflissentlich, was man<br \/>eigentlich wei\u00df. Beispiele sind der traditionsreiche Konflikt zwischen wirtschaftlichem<br \/>Wachstum und zunehmenden Umweltkosten (\u201eWir wachsen uns arm\u201c), die Rentenformel<br \/>und Konflikte um die Transformation der Wirtschaft, namentlich rund um das Auto.<\/p>\n\n\n\n<p>Generell ist die Transformation der Energiewirtschaft und der Basisindustrien Chemie,<br \/>Stahl, Mobilit\u00e4t ein f\u00fcr bewohnte Konflikte geeignetes Feld. Die Notwendigkeit der<br \/>Transformation verwandelt alte, gewohnte Konflikte in neue, ungewohnte. So entstehen<br \/>neue Konfliktlinien und die Akteure richten sich neu aus. Das kann sehr n\u00fctzlich sein,<br \/>sofern die Re-Konfiguration strukturell eine neue Beweglichkeit schafft, wie dies<br \/>beispielsweise in den Regionen der Kohlegewinnung der Fall ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Transformationskonflikte k\u00f6nnen indessen die gewohnte Aufstellung verh\u00e4rten und die<br \/>Transformation selbst in Frage stellen. Ein Beispiel sind die Konflikte um die post-fossile<br \/>Dekarbonisierung der Wirtschaft und um die Landwirtschaft und Ern\u00e4hrungsindustrie.<br \/>Nicht zu vergessen ist aber, dass sie, bei richtigen Umgang, auch das Gegenteil erreichen<br \/>k\u00f6nnen, n\u00e4mlich eine Stimmung des Aufbruchs und der Gemeinsamkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Bewohnte Konflikt werden oft mehr moralisiert als andere. Weil man eigentlich ja keine<br \/>L\u00f6sung anstrebt, dies aber nicht \u00f6ffentlich bekennt, schafft man einen \u00dcberbau von<br \/>moralisch Besitzst\u00e4nden: In Form von Schuldzuweisungen und Anprangern vom (eigenen)<br \/>moralischen Feldherrnh\u00fcgel aus. Neue Einsichten, reflexive \u00dcberpr\u00fcfungen, Suche nach<br \/>Gemeinsamkeiten vermeidet man ebenso konsequent wie man Herausforderungen von<br \/>au\u00dferhalb des eigenen Spielfeldes ignoriert (siehe oben).<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ganze klingt \u00fcberaus strategisch durchdacht. Das mag es im Einzelfall so sein,<br \/>generell gilt es nicht. Vielmehr zeichnet sich der Bewohnte Konflikt in der Regel dadurch<br \/>aus, dass die Priesterschaften ihre Position als alternativlos ansehen und von ihr<br \/>\u201enat\u00fcrlich\u201c so \u00fcberzeugt sind, dass sie die Absurdit\u00e4ten, die dem Konflikt innewohnen,<br \/>nicht einmal ignorieren m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Lawinenkonflikt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten Konflikte spitzen sich mit der Zeit zu oder sie klingen ab. Es gibt allerdings<br \/>auch Konflikte mit gegenteiliger Tendenz. Sie dehnen sich r\u00e4umlich und zeitlich aus. Sie<br \/>vergr\u00f6\u00dfern sich auf ungeheure (und meist ungeplante) Weise bis sie alles mitrei\u00dfen. Sie<br \/>rei\u00dfen auch das mit, was bis dahin nichts mit ihnen zu tun hatte. Sie \u00e4hneln insofern einer<br \/>Lawine. Dabei scheinen sie anfangs auf den ersten Blick \u00fcberschaubar zu sein, sind dann<br \/>aber doch unkalkulierbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel ist die in Geschichte und Gegenwart recht \u00fcbliche Vorstellung, man k\u00f6nne<br \/>den Frieden sichern, indem man sich bis an die Z\u00e4hne bewaffnet. Sie wurde zu einer<br \/>Handlungsmaxime: Si vis pacem, para bellum, wenn du den Frieden willst, bereite den<br \/>Krieg vor. Nun sind allerdings in der Regel beide Konfliktseiten im Besitz dieser<br \/>Vorstellung, woraus sich besonders dann eine spiralhafte Abfolge von einseitigen<br \/>Handlungen (Aufr\u00fcstungen) ergibt, wenn Feindbilder, Rechthaberei und Zuschreibungen<br \/>das Bild der jeweiligen Gegenseite ausmachen. Feindbilder laden den Konflikt emotional<br \/>auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Lawinenkonflikt hat einen systemischen Charakter. Dieser wird oft \u00fcbersehen, ebenso<br \/>wie der Umstand, dass der \u00dcbergang von Konflikt zu Krieg, und umgekehrt, ein<br \/>Wechselverh\u00e4ltnis beider Zust\u00e4nde herausbildet, das kaum je eindeutig und stabil sein<br \/>kann. Im Gegenteil, das eigenen Konflikthandeln wird ma\u00dfgeblich von der Annahme \u00fcber<br \/>das Konflikthandeln der anderen Seite gepr\u00e4gt. Der Begriff Annahme spielt hier eine gro\u00dfe<br \/>Rolle, weil sich in Pr\u00e4senz harter Feindbilder kaum objektive Wahrnehmungen machen<br \/>oder gar verifizieren lassen. Die perfide Wirkung ist, dass beide Seiten glauben, jeweils<br \/>Herr ihrer eigenen Entscheidungen zu sein und volle Kontrolle zu haben &#8211; was indessen<br \/>gleichwohl auch ein fundamentaler Irrtum sein kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Beispiel f\u00fcr einen Lawinenkonflikt ist der nukleare Super-GAU im japanischen<br \/>Fukushima. Die initiale Sch\u00e4digung des Reaktors setzte eine regelrechte Lawine von<br \/>Folgesch\u00e4den aus, die so komplex war und sich auf eine Weise verzweigte und<br \/>vergr\u00f6\u00dferte, dass sie weder vorhersehbar oder situativ kontrollierbar war. Was den<br \/>Strahlungsm\u00fcll angeht, h\u00e4lt sie bis heute an.<\/p>\n\n\n\n<p>Die verbreitete Idee der Wissenschaft von den Technikfolgen ist, dass das<br \/>Schadensausma\u00df auch gr\u00f6\u00dferer Unf\u00e4lle begrenzt (und damit) bestimmbar sei, sodass<br \/>dieser Nachteil der Technik mit den Nachteilen anderer Techniken ins Verh\u00e4ltnis gesetzt<br \/>werden kann. Diese Auffassung verliert angesichts von Lawinenkonflikten erheblich an<br \/>\u00dcberzeugungskraft.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht das Vorstellbare ist das zentrale Problem, sondern vor allem das Unvorstellbare<br \/>(Ethik Kommission Sichere Energieversorgung 2011).<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Dynamik des Lawinenkonflikts geh\u00f6rt der blinde Fleck. Beide Seiten verm\u00f6gen es<br \/>nicht, die Perspektive der jeweils anderen zu sehen. Was die Dynamik einer m\u00f6glichen<br \/>Eskalation angeht, sind sie \u201eblind\u201c, sofern nicht noch Reste von Gespr\u00e4chsf\u00e4den zur<br \/>anderen Seite bestehen. Ist die Lawine im Gange, scheint es nur ein Drinnen oder<br \/>Drau\u00dfen zu geben &#8211; auf kriegerische Konflikte \u00fcbertragen: Sieg oder Niederlage. Diese<br \/>bin\u00e4re Logik metzelt alle vernunftvollen Ans\u00e4tze zu Dialog, Interessenausgleich und<br \/>Beilegung des Konflikts nieder. Sie suggeriert eine Gewissheit, die gerade dann<br \/>besonders ausgepr\u00e4gt ist, wo sie v\u00f6llig fehl am Platze ist, denn der Verlauf von<br \/>Lawinenkonflikten ist das genaue Gegenteil von irgendeiner Gewissheit. Au\u00dfer der, dass<br \/>es meist Tote gibt und die Umwelt zerst\u00f6rt wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Farce als Konflikt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Rechtsautokraten Trump, Orban und andere beschw\u00f6ren jeweils einen<br \/>systematischen Grundkonflikt, von dem sie behaupten, er sei die Mutter aller Konflikte: Bei<br \/>Trump ist es der Deep State, Orban h\u00e4lt die EU und wahlweise Soros und das<br \/>internationale Kapital f\u00fcr den Mega-Feind und f\u00fcr H\u00f6cke ist es der Allparteienstaat.<br \/>Dieser Konflikt wird k\u00fcnstlich aufgef\u00fchrt. Alles an ihm ist inszeniert. Deswegen kommt er<br \/>einer Farce gleich. Dir Farce braucht keinen Faktenhintergrund. Sie macht sich selbst zum<br \/>Faktum, Ihre Protagonisten bek\u00e4mpfen Fakten. Sie bauen auf Fake,<br \/>Verschw\u00f6rungstheorien und den Ersatz von Diplomatie durch Mobbing.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Behauptung, Freund und Feind st\u00fcnden sich unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcber, ist leicht<br \/>aufgestellt. Die Geschichte kennt Situationen, wo die Unvers\u00f6hnlichkeit tragische<br \/>Ausma\u00dfe bis hin zum V\u00f6lkermord der Hochbewaffneten gegen Wehrlose erreichte. Aber<br \/>als allgemeine Regel taugt die These von der Unvers\u00f6hnlichkeit nicht. Vielmehr verk\u00fcrzt<br \/>und vereinfacht sie die Konfliktverh\u00e4ltnisse unzul\u00e4ssigerweise und ist faktenfrei. Die<br \/>Konflikt-Farce treibt das auf die Spitze. Hier soll diese Behauptung lediglich den eigenen<br \/>Selbstwert st\u00e4rken, weil er als minderwertig empfunden wird. Gegen solche Behauptungen<br \/>l\u00e4uft die rationale Kritik oft ins Leere und verst\u00e4rkt unter Umst\u00e4nden sogar noch die<br \/>Erz\u00e4hlung. Das gilt auch f\u00fcr die emotional vorgetragene Kritik. Selbst die<br \/>Wohlstandsminderungen der eigenen Klientel &#8211; ein Beispiel sind die Trump-USA &#8211; st\u00e4rkt<br \/>den Rechtspopulisten. Dessen Anh\u00e4nger empfinden es wom\u00f6glich als gut, ein Opfer zu<br \/>bringen. Es ist ein Gleichziehen mit den Minderwertigkeitsgef\u00fchlen ihrer<br \/>F\u00fchrungspersonen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Farce k\u00fcndigt das regelbasierte Konfliktmanagement auf, und damit auch die liberale<br \/>Wirtschaftsordnung, den Sozialstaat mit seinen Arbeitnehmerrechten und den fairen<br \/>Wettbewerb.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Farce braucht Asymmetrie. Auf Augenh\u00f6he funktioniert sie nicht. Asymmetrie<br \/>bedeutet, dass Nachteile und Einbu\u00dfen nicht alle Menschen gleicherma\u00dfen betreffen.<br \/>W\u00e4hrend sich ein Konflikt an einer Stelle in voller H\u00e4rte zutr\u00e4gt, mag er in der<br \/>Nachbarschaft v\u00f6llig unbekannt bleiben. W\u00e4hrend er Betroffene, Leidende und Verlierer<br \/>erzeugt, gibt es immer auch Unbeteiligte, Zuschauer oder gar Gewinner. Die<br \/>unterschiedliche Betroffenheit und Relevanz ist ein wesentliches Charakteristikum der<br \/>Konfliktverh\u00e4ltnisse. Hass-Redner und totalit\u00e4re Willk\u00fcr-Herrscher nutzen es gezielt. Sie<br \/>stellen auf die allzu menschliche Reaktion ab, mit der man sich einredet, dass man selbst<br \/>ja (noch) nicht betroffen ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Konfliktverh\u00e4ltnis besch\u00e4digt das politische Handeln<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wo der \u201esichere Raum\u201c, in dem Konflikte verhandelt und ausgetragen werden k\u00f6nnen,<br \/>verschwindet, suchen die Konfliktparteien nicht den Dialog, sondern finden ihre<br \/>Versicherung im Konflikt. Sie bohren sich in die Konflikte hinein. Je lauter das Get\u00f6se der<br \/>Gesten, desto sprachloser ist die Politik (Hauff 1979, 1982). Mitunter ist sie derart in den<br \/>Konflikt verliebt, dass sie die L\u00f6sung mehr f\u00fcrchtet als die Fortdauer des Konfliktes. Das<br \/>ist in gewisser Weise eine Selbstfesselung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sprache unvers\u00f6hnlichen Parteinahme buhlt um Aufmerksamkeit und Anerkennung.<br \/>Mythen, Vorurteile und ein genereller Angriffsmodus ersetzen Fakten, Nachdenken und<br \/>Dialog. Ohnmacht, Wut und Opfer-Gestus verdr\u00e4ngen Respekt, Widerstandskraft und<br \/>vision\u00e4re Fantasie. Rechte Demagogen haben diesen Zusammenhang als erste politisch<br \/>zu nutzen verstanden, w\u00e4hrend sich b\u00fcrgerliche, sozialdemokratische und linke Politik<br \/>immer noch eher verpflichtet f\u00fchlen, ihren Zielgruppen L\u00f6sungen ihrer Probleme zu<br \/>versprechen, und sie damit oftmals entt\u00e4uschen. Konflikte werden jedoch nur in seltenen<br \/>F\u00e4llen vollst\u00e4ndig gel\u00f6st. L\u00f6sen ist jedoch nicht die prim\u00e4re Tugend im Umgang mit<br \/>Konflikten. Viel bedeutungsvoller sind annehmen, managen, verstehen (Arbeit am<br \/>gemeinsamen Verst\u00e4ndnis des Konfliktes)<\/p>\n\n\n\n<p>Aber in der Politik ist es nicht un\u00fcblich, den Begriff Konflikt nur dann zu nutzen, wenn auch<br \/>eine L\u00f6sung in Sicht ist. Diese Haltung pr\u00e4gt Koalitionsvertr\u00e4ge. Die besch\u00e4digt das<br \/>politische Denken, denn die Realit\u00e4t erfordert anderes. Ein L\u00f6sungs-Rausch ist eine<br \/>politische Untugend. Mit ihr schrumpft die Urteilsbreite. Politik verzwergt sie und es wird ihr<br \/>immer weniger zugetraut. Der Politikbetrieb traut sich selbst immer weniger zu. Generell<br \/>schwindet das Vertrauen in \u00f6ffentliche Institutionen. Verschw\u00f6rungstheorien kommen auf.<br \/>Menschen verzichten auf die Teilhabe an der Aushandlung von Konflikten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Volle Welt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In den altindustrialisierten L\u00e4ndern kann sich kaum jemand eine Zukunft vorstellen, die<br \/>besser als die Gegenwart ist. Die Volle Welt macht Angst. Der Begriff der Vollen Welt ist<br \/>eine Zeitdiagnose. Der Weltbank-\u00d6konom Herman Daly (2005) hat ihn gepr\u00e4gt und Ernst<br \/>Ulrich von Weizs\u00e4cker und Anders Wijkman (2017) haben ihn popularisiert. Seit den 50er<br \/>Jahren wachsen die industrialisierten Industrie\u00f6konomien stetig und weitgehend auf der<br \/>Basis fossiler Energien. Bei diesem Wachstum geht es nicht vordergr\u00fcndig um das<br \/>numerische Bev\u00f6lkerungswachstum. Die Volle Welt ist nicht voll, weil es viele Menschen<br \/>gibt. Voll ist sie von Stra\u00dfen, Fluglinien, Satelliten, Licht, Kabeln, Mikroplastik, Kohlenstoff<br \/>in der Atmosph\u00e4re, Kommunikation, Reichtum. Sie ist voller Strukturen, die Ressourcen<br \/>aufbrauchen und Unbrauchbares hinterlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Strukturen sind das Ergebnis der Go-West-Mentalit\u00e4t in Amerika, die Go-East<br \/>Inbesitznahme des arktischen Ostens, des Extraktivismus von fossilen und mineralischen<br \/>Ressourcen. Go-west, go-east und go-fossil verschoben planetare Grenzen und machten<br \/>dies zu einer Tugend. Sie versprachen den Besitzenden unbegrenzten Profit und den<br \/>Abh\u00e4ngigen immerhin das buchst\u00e4bliche St\u00fcck vom Kuchen, etwas Umverteilung,<br \/>Arbeitspl\u00e4tze und kleines Gl\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist vorbei. Vorbei ist die Zeit, die bei allen Umweltbedenken und Sozialzw\u00e4ngen als<br \/>immer gleiche L\u00f6sung \u201eWachstum\u201c anbot und deren Liberalismus als Freiheit schlechthin<br \/>galt. Der Liberalismus schien wundert\u00e4tig zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Volle Welt stellt nun das Dasein unter das Vorzeichen von Zielkonflikten. Des Einen<br \/>Freiheit ist f\u00fcr die Anderen oftmals gleichbedeutend mit Kontrollverlust und damit, dass sie<br \/>ihre Optionen aufgeben. Des Einen Auf wird zum Ab des Anderen, wobei auch das Gef\u00fchl,<br \/>auf der Stelle zu treten und vergessen zu sein, eine Abw\u00e4rtsbewegung darstellen kann.<br \/>Die Umverteilung st\u00f6\u00dft an systematische Grenzen. Das einstige liberale Lager<br \/>verschwindet, respektive sieht sich zu jenem Ultra-Liberalismus \u00e0 la Musk und Milei<br \/>gezwungen. Die Gegenposition will den Schaden dieser Entwicklung mit Regelwerken<br \/>moderieren, einhegen und abmildern. Die internationale Rechte setzt auf die Fortsetzung<br \/>des fossilen Extraktivismus mit den Mitteln von Gewalt und Machtpolitik. Dazwischen gibt<br \/>es jede Menge (meist rechter) politische Marodeure, die sich aus diesen Optionen in<br \/>kurioser Mischung bedienen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die allt\u00e4gliche Verarbeitung der Volle-Welt-Realit\u00e4t geschieht \u00fcber Stimmungslagen, nicht<br \/>\u00fcber Wissen. Das Gef\u00fchl, bedr\u00e4ngt zu sein und abgeh\u00e4ngt zu werden, ein Opfer zu sein,<br \/>dominiert. Es bestimmt die Wahrnehmung weiter Kreise bis in die demokratische Politik<br \/>hinein. Appelle an die Vernunft, an die Wissenschaft und an Grundwerte erreichen es<br \/>kaum. In besonderer Weise gibt das den rechtsextremen Positionen Andockpunkte und<br \/>Hintergrund.<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher galt es als ausgemacht, dass die Konfliktparteien genau \u00fcbereinander Bescheid<br \/>wissen. Konflikte &#8211; etwa um die soziale Frage, die Wohnungsfrage &#8211; schienen irgendwie<br \/>immer berechenbar. Sie entwickelten sich &#8211; daher auch das Wort (R)evolution. Heute ist<br \/>das nicht mehr so, die Konfliktlinien m\u00e4andrieren, \u00fcberlagern sich zuweilen und entziehen<br \/>sich einer klaren Voraussage. Unvorhergesehene Umweltkatastrophen wirken wie eine<br \/>Revolte (Detering 2025, Foster 2024). Sie entwickeln sich nicht allm\u00e4hlich, sondern<br \/>brechen auf. Das Unerwartete nimmt zu. Es \u00fcberlagert die ordentlichen, zuverl\u00e4ssigen,<br \/>alten Konflikte; und passt damit ganz genau zu den beschriebenen Stimmungsbildern.<\/p>\n\n\n\n<p>Das bisher funktionierende politische Handlungsmuster zum Umgang mit Konflikten wirkt<br \/>zunehmend nutzlos, wenngleich es permanent noch aufgerufen und mit Vehemenz<br \/>verteidigt wird. Ein Beispiel: Quantitatives Wachstum des bisherigen Art macht reiche<br \/>Gesellschaft \u00e4rmer. Gleichwohl wird es beschrien und man sucht die Zuflucht zu \u201eSame<br \/>same\u201c &#8211; Investitionen, die jedoch unversehens zu Zukunftslasten werden k\u00f6nnen.<br \/>Ebenfalls f\u00e4llt man zur\u00fcck auf den alten Scheinkonflikt Arbeitspl\u00e4tze versus Umwelt\/Klima<br \/>und ignoriert, dass die Nachhaltigkeit das neue, und erfolgreiche Wirtschaftskonzept ist.<br \/><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der gelingende Konflikt<\/strong><br \/><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Ratgeber<\/em><\/strong>:<br \/>Ein politischer Rat besagt, dass es keinen stabilen Konsens gibt ohne einen ernsthaften<br \/>Konflikt (Nachhaltigkeitsrat 2016). Ein stabiler und robuster Konsens setzt in der Regel<br \/>voraus, dass man einen veritablen Konflikt in gemeinsamen Schritten bearbeitet hat. Die<br \/>Qualit\u00e4t des Konsenses korrespondiert damit wie tiefgr\u00fcndig der Konflikt durchdrungen<br \/>und verstanden wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Ratgeber zu Strategien f\u00fcr den Umgang mit Konflikten erfahren intensive Nachfrage. Die<br \/>Ausstellung <em>Konflikte des Hamburger Museums der Arbeit <\/em>(B\u00e4umer und M\u00fcller 2021)<br \/>widmet sich in hervorragender Weise den Fragen, wann ein Konflikt entsteht, wann er den<br \/>Konfliktparteien \u00fcberhaupt einen Streit wert ist, wie man Stellung bezieht und wann die<br \/>Zeit f\u00fcr die Konsens-Suche kommt, schlie\u00dflich auch: wie sich Konflikte vermeiden lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Konfliktverh\u00e4ltnisse sind auch ein wissenschaftlich aktuelles Thema. Die Berlin<br \/>Brandenburgische Akademie der Wissenschaften macht \u201eKonflikte l\u00f6sen!\u201c zu ihrem<br \/>Jahresthema 2025\/26 (Traninger 2025). Die Konfliktgesellschaft l\u00e4sst Chaos entstehen<br \/>und das Chaos erzeugt wiederum Konflikte. Die Sozialtechniken reichen von Mediation<br \/>und gewaltfreier Kommunikation \u00fcber spieltheoretische Ans\u00e4tze, Win-Win-Konzepte,<br \/>Design Thinking Workshops, zu Methoden der Organisationspsychologie respektive -soziologie bis hin zum rauschartigen Setzen auf bestimmte Forderungen und<br \/>Ma\u00dfnahmen zur \u201eL\u00f6sung\u201c, ganz egal worum sich der Konflikt eigentlich dreht<br \/>(<em>Solutionismus<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<p>In demokratisch legitimierten Parlamenten, Stadtr\u00e4ten oder Landkreistagen entscheidet<br \/>die Mehrheit, im besten Fall nach einer informierten Debatte, die alle Seiten in die Lage<br \/>versetzt, ihre Entscheidung in Kenntnis der relevanten Umst\u00e4nde und ihrer Folgen,<br \/>einschlie\u00dflich der Folgen des Nichtentscheidens und Nichthandelns abzuw\u00e4gen. Auch<br \/>wenn in der Hauptsache ein Kompromiss gefunden wird, kann es dazu kommen, dass<br \/>ungel\u00f6st bleibende Fragen in komplizierten Detail-Regelungen \u201eversteckt\u201c versteckt<br \/>werden. Oder sie werden vertagt und man ummantelt das mit tugendhaften Begriffen wie<br \/>zum Beispiel der \u201eSchritt-f\u00fcr-Schritt-Politik\u201c oder des \u201eEntscheidens auf Sicht\u201c. Sofern ein<br \/>Konflikt nicht l\u00f6sbar ist, neigt die politische Praxis dazu, ihn um weitere Themen<br \/>auszuweiten. Das vergr\u00f6\u00dfert ihr Man\u00f6vrierfeld und die Verhandlungs-Optionen. So<br \/>werden \u201ePakete\u201c gepackt, unter anderem auch bei Tarif- oder Haushaltsverhandlungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das sind Umgangsweisen, die sich praktisch und von Fall zu Fall bew\u00e4hren. Generell ist<br \/>jedoch festzustellen, dass es der Bundespolitik an Institutionen und einem Konzept f\u00fcr die<br \/>Er\u00f6rterung von grunds\u00e4tzlichen Konflikten zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis(macht)<br \/>und politischer Entscheidung(smacht) fehlt. Das bekommt man in der Aufarbeitung der<br \/>Corona-Entscheidungen auch zu sp\u00fcren.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl es durchaus Geschichten des Gelingens durchaus gibt, berichten die Medien eher<br \/>selten \u00fcber demokratisch gelingende Konflikte, weil sie deren Nachrichtenwert und die<br \/>M\u00f6glichkeiten zur Personalisierung als zu gering einsch\u00e4tzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Freundlichkeit:<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zum demokratischen Konflikt geh\u00f6rt die Einhaltung der Prozess-Regeln, vor allem aber<br \/>Empathie und Gef\u00fchl in der Verhandlungsf\u00fchrung. Konflikte werden produktiv, wenn hinter<br \/>der Sachposition der handelnde Mensch gesehen und erkannt wird. Ein zuweilen<br \/>gro\u00dfz\u00fcgiges, entspanntes und freundliches Herangehen erleichtert das. Zu Freundlichkeit<br \/>und Empathie geh\u00f6rt auch die Einsicht in den Schmerz, den L\u00f6sungen verursachen, die<br \/>zu Lasten und Beeintr\u00e4chtigungen f\u00fchren. Diese Freundlichkeit ist das Gegenteil der Re<br \/>Moralisierung sozialer Konflikte (Nachtwey 2013).<\/p>\n\n\n\n<p>Freundlichkeit darf und soll sich auch in Humor und Lachen ausdr\u00fccken. Erst im<br \/>ansteckenden Lachen \u00fcber die Gegenwart entstehen gemeinsame Utopien. Wenn es um<br \/>Konflikte geht &#8211; egal um welchen &#8211; spricht man \u00fcblicherweise ernst. Konflikte um<br \/>Klimaverantwortung oder schlicht \u201edie Weltrettung\u201c beginnen niemals mit einem Witz und<br \/>nur selten in guter Laune. Gute Laune w\u00fcrden die verhandelnden Personen aus der Angst<br \/>nicht zeigen, die andere Seite k\u00f6nnte das missverstehen und wom\u00f6glich sei sogar die<br \/>eigene Seite der Meinung, man n\u00e4hme das Thema nicht ernst genug. Das Lachen als eine<br \/>wichtige Form kritischen Denkens fehlt. Oft fehlt in solchen Auseinandersetzungen auch<br \/>die Frage \u201eWarum nicht?\u201c als Frage nach Alternativen, nach weiteren M\u00f6glichkeiten und<br \/>Optionen. Diese Frage richtet sich gegen die Vorstellung von Alternativlosigkeit.<br \/>Alternativlosigkeit ist dominante Denkverweigerung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ferner gilt es zu beachten, dass die gelingende Bearbeitung von Konflikten reziprok ist,<br \/>indem sie den Erfolg des Einen zur Voraussetzung f\u00fcr das Gelingen beim Anderen macht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Kunst:<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die M\u00f6glichkeiten von Kunst und Kultur sind vielfach noch nicht ausgenutzt.<br \/>Eindr\u00fcckliche Beispiele liefert die gemeinn\u00fctzige US-amerikanische Theater- und<br \/>Bildungsstiftung Global Arts Corps, GAC. Sie unterst\u00fctzt die Vers\u00f6hnung von Opfern und<br \/>T\u00e4tern nach Konflikten, die zu V\u00f6lkermord und Gewalt gef\u00fchrt haben. Sie kreiert<br \/>M\u00f6glichkeiten eines Wahrnehmungswandels. Ich traf Michael Lessac und Jacqueline<br \/>Bertrand Lessac bei einer Projektvorstellung von Zero36, das unter See You Yesterday<br \/>bekannt wurde. 36 Jahre nach dem Ende der kambodschanischen Killing Fields geht es<br \/>um die Erinnerung an diesen V\u00f6lkermord an mehr als einer Million Menschen. Die<br \/>\u00dcberlebenden haben eine Mauer des Schweigens errichtet und die Jungen haben keine<br \/>Ahnung und &#8211; eben &#8211; oft keine Eltern oder Gro\u00dfeltern. Das Trauma ist nicht vergangen,<br \/>sondern ein Dauerkonflikt.<br \/><br \/><strong>Truth in <em>Translation,<\/em><\/strong> GACs Bearbeitung der s\u00fcdafrikanischen Vers\u00f6hnung zwischen Opfer<br \/>und T\u00e4tern der Apartheid, hat die kambodschanische NGO Phare Ponleu Selpak (\u201eDer<br \/>Glanz der K\u00fcnste\u201c) auf das GAC aufmerksam gemacht. Jetzt will man junge Menschen<br \/>ermutigen, sich mit ihrer Identit\u00e4t auseinanderzusetzen und einen V\u00f6lkermord zu<br \/>verstehen. In See You Yesterday durchbrechen, unter Leitung von Michael Lessac, junge<br \/>KambodschanerInnen das Schweigen mit den Mitteln des k\u00fcnstlerischen K\u00f6rpertheaters.<br \/>Die Theaterproduktion erforscht die Erinnerungen, die die jungen K\u00fcnstlerInnen aus dem<br \/>Leben ihrer Vorfahren zusammentragen. Andere St\u00fccke thematisieren die Erinnerung,<br \/>Identit\u00e4t, Verleugnung und die Entrechtung junger Menschen nach Konflikten wie in<br \/>Ruanda, Nordirland und das Massaker von Srebrenica. Die Theaterb\u00fchne wird hier zu<br \/>einem Ort, wo die Konflikte und ihre Folgen neu betrachtet werden und der es schafft,<br \/>den Zyklus von Rache und Vergeltung zu durchbrechen und junge Menschen aus dem<br \/>Teufelskreis von Isolation, Hoffnungslosigkeit und Selbstmord herauszuholen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Strukturen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aber letztlich h\u00e4ngt es entscheidend von Strukturen und Institutionen ab, mit Konflikten<br \/>demokratisch umzugehen. Das Grundgesetz verpflichtet hierzu vor allem die politischen<br \/>Parteien. Es reagiert so auf eine strukturell-systemische Schw\u00e4che der Weimarer<br \/>Verfassung und unterwirft die politischen Parteien der Pflicht, <em>an der Willensbildung des<br \/>Volkes mitzuwirken. <\/em>Daraus leitet sich das Parteienprivileg und die Finanzierung der<br \/>Parteien durch Steuermittel ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage ist nun, ob diese Aufgabe im Zeitalter des Anthropoz\u00e4ns und der Nachhaltigkeit<br \/>(Bachmann 2020) ad\u00e4quat wahrgenommen wird. Das kann mit Fug und Recht bezweifelt<br \/>werden. An der Willensbildung des Volkes wirken heute Talkshows, Medien-Dienste und<br \/>spezielle Echokammern mehr mit als dies die politischen Parteien tun. Schlie\u00dflich sind die<br \/>sich fortw\u00e4hrend wandelnden Konfliktverh\u00e4ltnisse und der zunehmende meinungsbildende<br \/>Einfluss wissenschaftlicher Erkenntnisse und Experten nicht gerade das, was man vor<br \/>Augen hatte als der Begriff der Mitwirkung an der Willensbildung des Volkes gepr\u00e4gt<br \/>wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Politik reagiert auf diese Umst\u00e4nde und versucht Konflikte dadurch zu entsch\u00e4rfen,<br \/>dass wissenschaftliche Fachbeir\u00e4te, Regierungs-Kommissionen, Expertenr\u00e4te, B\u00fcrger<br \/>Begleit- und Partizipationsgremien und parlamentarische Enqu\u00eate-Kommissionen<br \/>eingerichtet werden. Die allerdings verwalten ein Konfliktverh\u00e4ltnis mehr als alles andere,<br \/>weil sie kaum institutionelle Formen und Verfahren haben, die mit dynamischen wissens<br \/>getriebenen und neuen Konflikten umgehen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Moderne Sachverhalte machen es zunehmend erforderlich, einen Konflikt lernend zu<br \/>verstehen und \u00fcber Partei-Logiken hinweg ein gemeinsames Verst\u00e4ndnis zu erarbeiten &#8211;<br \/>bevor der Konflikt dem \u00fcberkommenen Muster der politischen Meinungsbildung<br \/>zugeordnet wird. Das gelingt immer weniger und auch daraus erw\u00e4chst zu einem guten<br \/>St\u00fcck der generelle Verfall des \u00f6ffentlichen Vertrauens in die Politik. Die Demokratie sitzt<br \/>auf einem gro\u00dfen Pulverfass und die Zukunft der Parteienlandschaft ist die Z\u00fcndschnur.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings: Sollte es beispielhaft gelingen, einen Konflikt positiv nutzbar zu machen &#8211; etwa<br \/>bei der Dekarbonisierung oder beim \u00dcbergang in immer mehr Kreislaufwirtschaft, und das<br \/>ist ja nicht ausgeschlossen &#8211; dann k\u00f6nnte man den Konflikt hochleben lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><br \/><strong>Verwendete Literatur<\/strong><br \/><br \/>Adorno, Theodor W. (1968) Anmerkung zum sozialen Konflikt heute, Gesamtausgabe<br \/>Band 8, Suhrkamp, Frankfurt, S. 182<\/p>\n\n\n\n<p>Bachmann, G\u00fcnther (2020) Die Stunde der Politik. Ein Essay \u00fcber Nachhaltigkeit, Utopien<br \/>und Gestaltungsspielr\u00e4ume. Wie politische Entscheidungen unsere Zukunft gestalten,<br \/>Oekom Verlag, M\u00fcnchen<\/p>\n\n\n\n<p>B\u00e4umer, Mario und Rita M\u00fcller (Hrsg.) (2021) Konflikte. Das Buch zur Ausstellung im<br \/>Museum der Arbeit, Hamburg, Verlag Junius, Hamburg Beck, Ulrich (1986)<\/p>\n\n\n\n<p>Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, Edition Suhrkamp, Frankfurt M<\/p>\n\n\n\n<p>Bieling, Hans-J\u00fcrgen (2005) Die Konflikttheorie der Internationalen Politischen \u00d6konomie.<br \/>In: Bonacker, T. (eds) Sozialwissenschaftliche Konflikttheorien. Friedens- und<br \/>Konfliktforschung, vol 5. VS Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften. https:\/\/doi.org\/<br \/>10.1007\/978-3-322-95688-0_7<\/p>\n\n\n\n<p>Dahrendorf, Ralf (1992) Der moderne soziale Konflikt. DVA, Stuttgart<\/p>\n\n\n\n<p>Daly, Herman (2005) Economics in a full world, in: Scientific American, https:\/\/<br \/>steadystate.org\/wp-content\/uploads\/Daly_SciAmerican_FullWorldEconomics(1).pdf vgl.<br \/>auch den gleichnamigen Beitrag des Autors von 2015 in: https:\/\/greattransition.org\/<br \/>publication\/economics-for-a-full-world<\/p>\n\n\n\n<p>Detering, Heinrich (2025) Die Revolte der Erde. Karl Marx und die \u00d6kologie, Wallstein<br \/>Verlag, G\u00f6ttingen<\/p>\n\n\n\n<p>D\u00f6rre, K., Liebig, S., Lucht, K. et al. Klasse gegen Klima? (2024) Transformationskonflikte<br \/>in der Autoindustrie. Berlin J Soziol 34, 9\u201346 https:\/\/doi.org\/10.1007\/s11609-023-00514-z<\/p>\n\n\n\n<p>Eckert, Julia M. (Hg.) (2004) Anthropologie der Konflikte. Georg Elwerts<br \/>konflikttheoretische Thesen in der Diskussion, transcript Verlag, Bielefeld<\/p>\n\n\n\n<p>Eversberg, Dennis u.\u2005a., 2024: Der neue sozial-\u00f6kologische Klassenkonflikt: Mentalit\u00e4ts-<br \/>und Interessengegens\u00e4tze im Streit um Transformation, Forschungsbericht, Friedrich<br \/>Schiller-Universit\u00e4t, Jena https:\/\/doi.org\/10.22032\/dbt.59592<\/p>\n\n\n\n<p>Ethik Kommission Sichere Energieversorgung (2011) Deutschlands Energiewende &#8211; Ein<br \/>Gemeinschaftswerk f\u00fcr die Zukunft; https:\/\/www.nachhaltigkeitsrat.de\/wp-content\/uploads\/migration\/documents\/2011-05-30-abschlussbericht<br \/>ethikkommission_property_publicationFile.pdf<\/p>\n\n\n\n<p>Frie, Ewald und Mischa Meier (Hrsg.) (2023) Krisen anders denken. Wie Menschen mit<br \/>Bedrohungen umgegangen sind und was wir daraus lernen k\u00f6nnen, Propyl\u00e4en Verlag,<br \/>Berlin<\/p>\n\n\n\n<p>Foster, John Bellamy (2024) Marx\u2018 \u00d6kologie. Materialismus und Natur, Deutsche Ausgabe,<br \/>edition assemblage, M\u00fcnster<\/p>\n\n\n\n<p>Hauff, Volker (1979) Sprachlose Politik. Von der Schwierigkeit nachdenklich zu sein.<br \/>Fischer Taschenbuch, Frankfurt<\/p>\n\n\n\n<p>Hauff, Volker (1992) Global denken, lokal handeln. Ein politisches Fazit. Kiepenheuer &amp;<br \/>Witsch, K\u00f6ln<\/p>\n\n\n\n<p>Krysmanski, Hans J\u00fcrgen (1971) Soziologie des Konflikts, Materialien und Modelle,<br \/>rowohlts deutsche enzyklop\u00e4die 362, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg<\/p>\n\n\n\n<p>Mau, Steffen, Thomas Lux und Linus Westheuser (2023) Triggerpunkte. Konsens und<br \/>Konflikt in der Gegenwartsgesellschaft, Suhrkamp, Berlin<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00fcller-Jentsch, Walther (2010) Artikel \u201eKonflikttheorien\u201c, in: Historisch-kritisches<br \/>W\u00f6rterbuch des Marxismus, hg. v. W. F. Haug\/Frigga Haug\/Peter Jehle, Band 7\/II,<br \/>Hamburg (Argument), S. 1448-1458<\/p>\n\n\n\n<p>Nachhaltigkeitsrat (2016) Revue der Positionen. 15 Jahre Rat f\u00fcr Nachhaltige. Interviews<br \/>der Ratsmitglieder, mit einer Einf\u00fchrung von G\u00fcnther Bachmann: Kompetenz zum<br \/>Konsens. Brosch\u00fcre im Selbstverlag, https:\/\/www.nachhaltigkeitsrat.de\/wp-content\/<br \/>uploads\/migration\/documents\/<\/p>\n\n\n\n<p>Revue_der_Positionen_15_Jahre_RNE_texte_Nr_51_April_2016.pdf<\/p>\n\n\n\n<p>Nachtwey, Oliver (2013) Zur Re-Moralisierung des sozialen Konflikts, in: WestEnd Neue<br \/>Zeitschrift f\u00fcr Sozialforschung, 10. Jg., Heft 2, 2013: 69\u201380<\/p>\n\n\n\n<p>Precht, Richard David und Harald Welzer (2022) Die vierte Gewalt. Wie Mehrheitsmeinung<br \/>gemacht wird, auch wenn sie keine ist. S. Fischer Verlag, Frankfurt M<\/p>\n\n\n\n<p>Strohschneider, Peter (2024) Wahrheiten und Mehrheiten: Kritik des autorit\u00e4ren<br \/>Szientismus. Beck Verlag, M\u00fcnchen<\/p>\n\n\n\n<p>Traninger, Anita (2025) \u201eKonflikte l\u00f6sen!\u201c Festrede zur Er\u00f6ffnung des Jahresthemas<br \/>2025\/26 der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften am 29. November<br \/>2024 https:\/\/jahresthema.bbaw.de\/publikationen\/<\/p>\n\n\n\n<p>Ueberhorst, Reinhard (2011) Politischer Streit als kooperative Findekunst. Wie die<br \/>\u00bbwachstumspolitische Kontroverse\u00ab bef\u00f6rdert werden sollte, in: Neue Gesellschaft \/<br \/>Frankfurter Hefte 3\/2011, https:\/\/www.frankfurter-hefte.de\/media\/Archiv\/2011\/<br \/>Heft_03\/2011-03_Ueberhorst_web.pdf<\/p>\n\n\n\n<p>Urban, Hans J\u00fcrgen und Stephan Hebel (2023) Krise. Macht. Arbeit. \u00dcber Krisen des<br \/>Kapitalismus und Pfade in eine nachhaltige Gesellschaft, Campus, Frankfurt M<\/p>\n\n\n\n<p>Welzer, Harald (2025) Das Haus der Gef\u00fchle, S. Fischer, Berlin<\/p>\n\n\n\n<p>Weizs\u00e4cker, Ernst Ulrich von und Anders Wijkman (2017) Wir sind dran. Club of Rome:<br \/>Der gro\u00dfe Bericht. Was wir \u00e4ndern m\u00fcssen, wenn wir bleiben wollen. Eine neue<br \/>Aufkl\u00e4rung f\u00fcr eine volle Welt, G\u00fctersloher Verlagshaus, G\u00fctersloh<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literarische Werke mit Anregungen zur Konfliktbearbeitung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Haber, Wolfgang (2010) Die unbequemen Wahrheiten der \u00d6kologie: Eine<br \/>Nachhaltigkeitsperspektive f\u00fcr das 21. Jahrhundert (Carl-von-Carlowitz-Vorlesung des<br \/>Rates f\u00fcr Nachhaltige Entwicklung, Band 1), Oekom Verlag, M\u00fcnchen<\/p>\n\n\n\n<p>Leitschuh, Heike (2018) Ich zuerst!: Eine Gesellschaft auf dem Ego-Trip, Westend Verlag,<br \/>Frankfurt M.<\/p>\n\n\n\n<p>Scheer, Regina (2023) Hertha Gordon-Walcher und der Traum von der Revolution,<br \/>Penguin Verlag, M\u00fcnchen<\/p>\n\n\n\n<p>Vollmer, Antje und Daniela Dahn, Dieter Klein, Gabriele Zimmer, Ingo Schulze, Michael<br \/>Brie, Peter Brandt (2022) Neubeginn. Aufbegehren gegen Krise und Krieg. Eine<br \/>Flugschrift, VSA Verlag, Hamburg<\/p>\n\n\n\n<p>Vollmer Antje und Hans-Eckardt Wenzel (2019) Konrad Wolf. Chronist im Jahrhundert der<br \/>Extreme. Die andere Bibliothek, Aufbau Verlag, Berlin<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><em>Das Essay verdankt sich der Herbstakademie Villa Rossa 2025, in der Villa Palagione bei Volterra, Italien. Die Villa Rossa wird von der kleinen Wissenschaftsstiftung GegenStand e.V. als einw\u00f6chiges Seminar zu linkspolitischen Fragestellungen veranstaltet. 2025 hatte es das Thema Konflikte. Die Villa Rossa wird seit Jahren dankenswerterweise von der<br \/>Rosa-Luxemburg-Stiftung unterst\u00fctzt. Den Teilnehmern an der Villa Rossa, sowie insbesondere Prof. Dr. Rainer Rilling und Heike Leitschuh verdanke ich wertvolle Anregungen.<\/em> &#8211; <strong>G\u00fcnther Bachmann<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.rainer-rilling.de\/blog\/wp-content\/uploads\/\/Dickicht.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"960\" src=\"https:\/\/www.rainer-rilling.de\/blog\/wp-content\/uploads\/\/Dickicht.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3447\" style=\"width:645px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.rainer-rilling.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Dickicht.jpg 640w, https:\/\/www.rainer-rilling.de\/blog\/wp-content\/uploads\/Dickicht-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konflikte Konflikte nerven! Es lebe der Konflikt!Ein Essay aus der Villa Rossa Dr. G\u00fcnther BachmannZusammenfassung Umstellt von KonfliktenDefinition des KonfliktesDie UnterlassungDas Aufkl\u00e4rungs-ParadoxGeparkte, ignorierte KonflikteBewohnte KonflikteDer LawinenkonfliktDie Farce als KonfliktDas Konfliktverh\u00e4ltnis besch\u00e4digt das politische HandelnDie Volle WeltDer gelingende KonfliktVerwendete LiteraturLiterarische Werke mit Anregungen zur Konfliktbearbeitung Man erkennt ihn, wenn man ihn f\u00fchlt: Den Konflikt. Wir f\u00fchlen &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.rainer-rilling.de\/blog\/?p=4332\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-4332","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kapitalismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.rainer-rilling.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4332","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.rainer-rilling.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.rainer-rilling.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rainer-rilling.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rainer-rilling.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4332"}],"version-history":[{"count":50,"href":"https:\/\/www.rainer-rilling.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4332\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4521,"href":"https:\/\/www.rainer-rilling.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4332\/revisions\/4521"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.rainer-rilling.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4332"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rainer-rilling.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4332"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rainer-rilling.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4332"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}