{"id":60,"date":"2006-11-04T18:29:14","date_gmt":"2006-11-04T17:29:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rainer-rilling.de\/blog\/?p=60"},"modified":"2006-12-27T00:21:56","modified_gmt":"2006-12-26T23:21:56","slug":"rethinking-marxism-3-fantasies-of-communism","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rainer-rilling.de\/blog\/?p=60","title":{"rendered":"Rethinking Marxism (3): Fantasies of Communism&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Debattiert wurde \u00fcber den Neuen Imperialismus \u2013 und Zaghaftigkeit beim Aufrufen des Begriffs war selten zu sp\u00fcren! Das \u201eNeue\u201c am Impeiralismus siedelten viele Diskutanten im Bereich der Finanzen und ihrer Verteilung, in der Globalisierung der Mehrwertproduktion und\u2026in der politikstrategischen Aufwertung der politischen Demokratie an. Diese wurde debattiert als praktikabelstes Medium zur Sicherung des R\u00fcckflusses der Mittel in das Zentrum einer ansonsten deterritorialisierten Produktion und als ad\u00e4quates Instrument einer kulturellen Verankerung der Eigentumsrechte. Die globalisierte Pr\u00e4senz der Zwangsjacke der Eigentumsrechte ist die Basis f\u00fcr politische Integration durch Demokratie; \u00fcber die offenbare Abnahme der Akzeptanzproduktion und Integrationsleistung politischer Demokratie wurde kaum verhandelt.  Wer konkret in den USA im Machtzentrum des amerikanischen Imperialismus steht, war Gegenstand einer umfangreicheren Seminarserie, zu der sich u.a. Doug Henwood, Jonathan Nitzan oder Bob Jessop einfanden.  Lag hier der Akzent stark auf der die Tagung immer noch stark pr\u00e4gende Politische \u00d6konomie, so ging es  in anderen Workshops um postkoloniale Zug\u00e4nge zur Machtanalyse &#8211; eine Kombination, die in Deutschland ihresgleichen sucht. <!--more-->Themenpunkte, die im Ged\u00e4chtnis blieben, waren etwa:<\/p>\n<ul>\n<li>wer auf engstem \u00f6konomischen Feld Machtverteilungen analysieren will, muss ab einer (jeweils zu kl\u00e4renden) Gr\u00f6\u00dfe die Differenzen in der Akkumulation zugrundelegen; Marc-Andr\u00e9 Gagnon entwickelte dies am Beispiel der US-Pharmaindustrie: der amerikanische Anteil am Umsatz betr\u00e4gt hier 42 %, an den FuE-Ausgaben 49 %, an der Produktion 33 %; die US-Firmen halten 54,4 % am Kapital der 16 gr\u00f6\u00dften Firmen; ihr Wachstum ist mittelweile weitaus mehr auf Mergers and Acquisitions zur\u00fcckzuf\u00fchren als auf Produktionssteigerungen, eben auch im Vergleich zur US-Industrie insgesamt; wichtige Barrieren (Patentregelungen, FuE-Kosten) wurden geschleift; w\u00e4hrend die Gewinne in der US-Industrie 1981-2005 von 5 % auf 7 % im Durchschnitt stiegen, gab es in der Pharmaindustrie eine Zunahme von 8,5 % auf 17,5 %.<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www-personal.umich.edu\/~twod\/writing\/z_iran_28apr06c-wkg.pdf\">Donnell <\/a>wies auf die Installierung neuer Machtrepr\u00e4sentanzen im internationalen \u00d6lkapital hin &#8211; die  Internationale Energie-Agentur IEA, die er gleichsam als Zentralkommittee des globalen \u00d6lkapitals bezeichnete, in dem US-Firmen keineswegs unbestritten hegemonial operieren k\u00f6nnten [Donnell wies auf die 3 Billionen $ hin, die laut einer Studie von 2004 in den n\u00e4chsten zwei Dekaden mobilisiert werden m\u00fcssten, um die wachsende Nachfrage nach Energie aus \u00d6l befrieden zu k\u00f6nnen &#8211; was f\u00fcr ihn ganz wesentlich den Irakkrieg erkl\u00e4rte, da die Expansion weit mehr Kapital verlange, als aus den bislang \u00fcblichen Quellen durch die \u00d6lindustrie mobilisiert werden konnte); auf die \u00d6lfirmen entfielen 1993 3 % und jetzt 15 % des globalen Profits!<\/li>\n<li>w\u00e4hrend die st\u00e4ndigen Hinweise auf das doppelte Defizit im Staatshaushalt und Au\u00dfenhandel in aller Regel als Argument f\u00fcr einen Decline der internationalen Macht der USA herhalten, wurde auf die gro\u00dfe finanzielle Arbitrage hingewiesen: die USA leihen sich Geld zu relativ niedrigen Zinss\u00e4tzen und investieren es mit hohen Zinss\u00e4tzen in Hochtechnologiesektoren im Ausland. Wer bei diesem Modus mithalten kann, hat gute Chancen betr\u00e4chtliche Machtrenten im Politikfeld der globalen Bourgeoisie.<\/li>\n<li>Die klassischen Quellen der Analyse der Ruling Class wie etwa das Social Register d\u00fcnnen angeischts der Machtrealit\u00e4t langsam aus &#8211; <a href=\"http:\/\/henwood.blogspace.com\/\"> Henwood <\/a>wies darauf hin, dass dort heute nur noch 25000 Familien (und nicht mehr 125 000) aufgef\u00fchrt werden, von denenen 27 % in New York, 11 % in Pennsylvania und 8 % in California s\u00e4\u00dfen; das CFR sei weiterhin eine wesentliche Planungs- und Reflektionseinrichtung der herrschenden Klasse, doch es st\u00fcnde nicht mehr im Zentrum; wer, so Henwood, ersetzt die WASP? Diese Frage ist weiter offen &#8211; und: geht es nur noch im die rich und nicht mehr um die ruling class? F\u00fcr ihn ist aber offenbar der Schwenk zu den Finanzm\u00e4rkten und die Finanzialisierung die wesentliche Ver\u00e4nderung in der Machtstruktur der USA<\/li>\n<li>Die Debatte um die Politik der Bush-Administration brachte zuweilen ziemlich flotte Formulierungen mit sich (&#8222;der Schwenk zum Sicherheits-, Milit\u00e4r- und Imperialstaat habe den &#8222;kapitalistischen Staat&#8220; in einen &#8222;Staat im Kapitalismus&#8220; transformiert); die Administration als Bonopartismus zu bezeichnen war noch eine der eher zur\u00fcckhaltenden Formulierung. Bei nicht wenigen war die Tendenz deutlich, die Reichweite des Politischen gegen\u00fcber der Durchdringungskraft (&#8222;Pervasivness&#8220;) des \u00d6konomischen stark zu machen; Jessop demgegen\u00fcber entwickelte weitaus \u00fcberzeugender sein Konzept der drei Modi\/Phasen des Neoliberalismus (&#8222;kreative Zerst\u00f6rung&#8220;, &#8222;Rollback&#8220; -> z.B. Thatcher oder Reagan, &#8222;Roll Forward&#8220; -> z.B. Blair oder Schr\u00f6der) und hob die Differenz zwischen dem Liberalismus &#8222;at home&#8220; und dem internationalen Agieren des Liberalismus hervor.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch wenn es kaum m\u00f6glich ist, schon angesichts der Gr\u00f6\u00dfe der Konferenz eine gerechte Beurteilung abzugeben, so waren zumindest die zweite und dritte Abendveranstaltung eine Entt\u00e4uschung. Gl\u00e4nzend die Idee, &#8222;Imperialism and the Fantasies of Democracy&#8220; zusammenzubringen &#8211; doch die Redner und auch die Debatte ignorierten das eigentlich interessante Wort hier: die <em>Fantasien<\/em> der Demokratie heute. Und mutig das Ansinnen, den Kongress mit der Absicht zu beschlie\u00dfen, neu \u00fcber &#8222;Kommunismus&#8220; nachzudenken (&#8222;<em>Rethinking Communism<\/em>&#8222;). Bis auf Cullenberg, der sein in der Zeitschrift bereits entwickeltes Konzept eines &#8222;expanded communism&#8220; kurz andeutete, blieb das Nachdenken dar\u00fcber im Kern aus. Kojin Karatani sprach 60 Minuten \u00fcber den Staat, Susan Buck-Morss rund 15 Minuten \u00fcber &#8211; Nomos, von Carl Schmitt. Beide Themensetzungen sollten aber als Aufforderungen bleiben &#8211; vielleicht auch \u00fcber ihre Kombination, die <em>Fantasies of Communism <\/em>nachzudenken und \u00f6ffentlich zu handeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Debattiert wurde \u00fcber den Neuen Imperialismus \u2013 und Zaghaftigkeit beim Aufrufen des Begriffs war selten zu sp\u00fcren! Das \u201eNeue\u201c am Impeiralismus siedelten viele Diskutanten im Bereich der Finanzen und ihrer Verteilung, in der Globalisierung der Mehrwertproduktion und\u2026in der politikstrategischen Aufwertung der politischen Demokratie an. 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