Publikationen 2011

„Sozialistische Transformationsforschung“ hat sich nach langer Debatte als die Selbstbeschreibung der Arbeit des Instituts für Gesellschaftsanalyse in der RLS herausgebildet. Im folgenden ein kurzer Überblick zu meinen Veröffentlichungen in 2011, die in der Regel damit zusammenhängen und bis auf zwei Ausnahmen auch bereits zugänglich sind. Sie bearbeiten Aspekte der aktuellen tiefen Krise des neoliberalen Kapitalismus (Eigentumsfrage, Veränderungen der Kräftekonstellationen in den herrschenden Klassen und der Linken) und der Transformations- und Transitionsforschung. Mit Rückgriff auf die RLS-Tagung „Auto.Mobil.Krise“ behandelt der Beitrag „Das Auto: keine Zukunft nirgends?„ (In: Globale Ökonomie des Autos. Mobilität | Arbeit | Konversion, Hrsg. Mario Candeias, Rainer Rilling, Bernd Röttger, Stefan Thmmel (Hrsg.), Hamburg 2011, S.220-227) am Beispiel der machtvollen Politischen Ökonomie der Automobilgesellschaft die Versuche der Eliten der bundesdeutschen Leitindustrie, die Krise konzeptionell und zukunftsorientiert zu bearbeiten; die dort üblichen Methodologien des Foresight, der Zukunftsforschung und der Szenarienarbeit werden diskutiert und danach befragt, wie leistungsfähig sind – und was eine Linke von ihnen lernen kann.

Wie sich das Akteursfeld dabei verändert, diskutieren mit Blick auf die politischen Hauptströmungen in der BRD der im World Review of Political Economy 2.1. (2011) erschienene Text „The Turmoil within the Elite, the Course of the Crisis and the Left“ (abstract),  eine knappe Übersichtsbilanz “ Eleven-Nine und US-Decline“ aus Anlaß des 10. Jahrestags von 9/11 und Aufsatz Wenn die Hütte brennt…, in: LuXemburg 3/2011 S.134-139, dessen Langfassung „Wenn die Hütte brennt… ‚Energiewende‘, green new deal und grüner Sozialismus“ mittlerweile in der Zeitschrift Forum Wissenschaft 4/2011 S.14-18 und auch auf der Site des Forum Demokratischer Sozialismus erschienen ist, auf dessen Akademie er im Herbst 2011 gehalten wurde. Wie zuvor Mobilität wird hier Energie unter dem Aspekt der miteinander konkurrierenden und umkämpfte strategischen Transformationpfade und -politiken behandelt und wie Transformations- bzw. Transitionsmanagement im bemerkenswerten Energiewendepapier des Rates für Nachhaltige Entwicklung  und im Gutachten „Welt im Wandel. Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation” des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU), Berlin 2011 420 S. [Zusammenfassung, Vollversion) konzipiert werden. Vorschlagen wird hier auch, neben der mittlerweile auch einigermaßen untersetzten Formel vom „Demokratischen Sozialismus“ auch den in der Linken völlig unüblichen Begriff des „grünen Sozialismus“ zu verwenden – eben die große grüne Frage und nicht die im üblichen grünen Milieu gängige kapitalistisch halbierte grüne Frage zu stellen. Der Beitrag „Linke & Commons & Öffentliches“ auf der Com’on-Tagung am 10.12. 2011 in der RLS (aktualisierte Fassung von The Commons the Public and the Left , Oktober 2011) versucht, hier Brücken zwischen roten und grünen Paradigmen zu schlagen. Wie tief hier freilich die Differenzen sind, zeigen die langen Wege der Eigentumsdebatte im Umfeld der Auseinandersetzung um das Program der LINKEN, die ein Beitrag „Neues zur Eigentumsfrage?“ in: Wolfgang Gehrcke (Hg.): “Alle Verhältnisse umzuwerfen…”. Eine Streitschrift zum Programm der LINKEN (Köln 2011 S.83-98) nachzeichnet. In gewisser Weise auch eine Reaktion auf die Situation der LINKEN in 2010/11 (Stichwort „Führung“) ist der gemeinsam mit Christina Kaindl verfasste Aufsatz „Eine neue “gesellschaftliche Partei”? Linke Organisation und Organisierung“ in: LuXemburg 4/2011 S.16-27 (noch nicht online).

Ein erster Versuch, das Feld einer sozialistischen Transformationsforschung zu skizzieren, ist der Eröffnungsvortrag auf der 1. Internationalen Transformationskonferenz des IfG der RLS am 13.10.2011 („Warum sozialistische Transformationsforschung?„), von dem auch eine Videodokumentation vorliegt. Detaillierter vor allem zur Methodik der Zukunftserfassung der Einleitungsbeitrag „Etwas, was nicht geschehen ist oder womöglich nie geschehen wird“ auf der Villa Rossa 9 am 22.8.2011, publiziert auf mehring1 am 1.9.2011. Auf dem Blog des IfG sind noch rund zwei Dutzend Reihe kurzer Annotationen und Einträge veröffentlicht worden.

 

Clooneys „The Ides of March“

Sicher gehört es zum Kalkül, dass der Titel des anlaufenden Clooney Films – „The Ides of March“ – wahrlich diesen Film überleben wird. Aber es ist schon ziemlich peinlich, so spekulativ Wilder oder Shakespeare mitsamt der notorischen Washingtoner U-Bahn-Station anzurufen, nur weil Verrat, Verschwörung, Deals im Politikbusiness sich unschwer als dramatische Normalerscheinungen inszenieren lassen. Der politische Neuigkeitswert ist gleich Null und mit der aktuellen politischen Krisenkonstellation in den USA hat der Film nichts zu tun. Sicher, das liberale Ganze ist solide gespielt und gedreht  – doch halt: in der 73 Minute wankt Ryan Gosling, der wirkliche Hauptdarsteller, gezeichnet vom Tod der Praktikantin im strömenden Regen auf sein Auto zu und bleibt strohtrocken. Vermutlich werde ich mich an nichts anderes mehr erinnern.

Simmons out

Flashback ist das letzte Buch von Dan Simmons, durch das ich mich gequält habe – so ein reaktionärer Mist. An seine Stelle in meiner kleinen Blogroll habe ich nun Iain Banks aufgenommen, dessen Entwurf  – oder besser: Utopie – einer reichen Gesellschaft (der Kultur) seinesgleichen sucht und auch sein ganzer Space Opera – Kram mitsamt dem running gag der irren Raumschiffnamensgebungen ist nicht übel.  Es lohnt sich, nicht nur den neuesten in deutscher Sprache erschienen Band „Krieg der Seelen“ zu lesen. Hier ein Einstieg in die Welten des Iain Banks.

Merkur & Krise

Im „Merkur“ (der als  „Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken“ mich immer rätseln lies, was das eine oder andere Beiwort mitsam ihrer Kombination bedeuten mag) haben Kurt Scheel und Karl Heinz Bohrer ihre Herausgeberschaft abgegeben, die sie seit 1991 bzw. 1984 innegehabt hatten. Im Heft 12/2011 schreibt Bohrer über Ästhetik und Politik, während Scheel eine sentimentale Reise zur Merkur-Geschichte tut. Beide  geben eine Ahnung von einer intellektuellen Geschichte, die linke Medienintellektuelle, wie sie etwa bei LinksNet versammelt ist, erstaunlich sporadisch zur Kenntnis nehmen. So bleibt es der helfenden Hand von Claudius Seidl im FAS-Feuilleton vom 1.1.2012 S.27 überlassen, auf das vielleicht massivste Defizit in der Merkur-Geschichte aufmerksam zu machen: der Merkur, von seinen Fans und Freunden als Flaggschiff der rechten Intelligenz gehandelt, hat die Krise verschlafen, die in letzter Zeit bekanntlich sogar die FAZ etwas verstört zur Kenntnis nimmt. Seidl: eine Krise, in der „die ganze Zukunft kollabierte.“ Tatsächlich: im Merkur findet sie kaum statt, ein strategisches Versäumnis, das sicher mit der konstitutionellen Borniertheit der Zeitschrift zu tun hat, die zwar auch ihre Stärke ist, aber…

Fantasie

Fantasie in Südeuropa

Zu den schneeregengeprägten Vorhaben 2012 gehört: mich dort spätestens in die Herbstabende zu verlaufen.