Geopolitik

2013-1 Geopolitik

Heute ist das Heft 1/2013 von Wissenschaft und Frieden erschienen, das sich im Schwerpunkt mit Geopolitik befasst. Großartig die Karten, die Benjamin D. Hennig für seinen Beitrag über „Kriege, Krisen, Konflikte…und Karten“ und für www.worldmapper.org angefertigt hat. Wer etwa die Kartenanamorphote der Kriegsopfer im Zeitraum 1945-2000 (S.32) gesehen hat versteht mit einem Blick, was heute eine Kartographie der Gewalt bedeutet. Das Titelbild gibt die Verteilung der Todesopfer durch Landminen im Jahr 2010 wieder.Jürgen Wagner (IMI) skizziert das Beispiel eines imperialen Raumkonzepts für die Weltmacht EUropa (ein früherer Text hierzu als IMI-Studie in „AUSDRUCK“ v.Oktober 2011).  Jürgen Oßenbrügge – der schon früh eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Geopolitik führte und dessen Vortrag „Traditionelle und moderne Geopolitik. Von der territorialen Kontrolle über Raum zum „neuen kalten Krieg“ über Ressourcen“ von 2007 sehr sehens- und hörenswert ist – und Sören Scholvin (GIGA) fragen, ob es eine „Renaissance der deutschen Geopolitik?“ gibt. Neben der zu Recht als weniger relevant eingeschätzten, wenn auch spürbaren Revitalisierung klassischer geopolitischer Denkstile und in dieser Tradition stehender machtorientierter Geopolitikdiskurse betonen sie die „neuen“ umweltpolitischen und auch ressourcenpolitischen Denk- und Handlungsstränge, deren Bedeutung deutlich wachse. David Salomon gibt einen Abriß derjenigen Schlüsselbegriffe des Carl Schmitt’schen Denkens, die weit über die Geopolitik hinaus politische Ideologie- und Theoriebildungen bis heute anreizen und der Historiker Mark Haarfeldt behandelt das weithin ignorierte außenpolitische Verständnis der extremen Rechten. Fabian Virchow (FH Düsseldorf) analysiert „Geopolitik à la Huntington“ (Dazu ebenfalls Virchows Text „Kulturkonflikte – Zur theoretischen und empirischen Reichweite des „Clash of Civilizations“-Paradigmas“, in: Berger, Wilhelm u.a. (2010): Kulturelle Dimensionen von Konfikten. Gewaltverhältnisse im Spannungsfeld von Geschlecht, Klasse und Ethnizität. Bielefeld: transcript: 16-30). Anke Strüver (U Hamburg) untersucht die geschlechtlichen Codierungen gepolitischer Raumbilder am Beispiel „wohlmeinender“ zivilgesellschaftlicher Organisationen – mit einem recht betrüblichen Ergebnis. Dieser Beitrag ist ebenso wie mein einleitender Text „Was ist Geopolitik? Ein Streifzug“ im Volltext online zugänglich. Er schließt – wie auch die Beiträge von Jürgen Wagner und David Salomon – an die Voträge auf der Veranstaltung zur Geopolitik im Rahmen der Villa Rossa-Reihe im August 2012 an.

Und: auf S. 55 von W&F die erfreuliche Nachricht, dass beginnend mit dieser Ausgabe die Zeitschrift nunmehr auch in elektronischer Form (PDF, ePub) abonniert werden kann – Jahresabo für die elektronische Version nur 20 € (!), Kontakt: wissenschaft-und-frieden.de. Über 2000 Artikel sind in der neuen CD für 19 € zu bekommen, die alle von 1983 bis 2012 erschienenen Beiträge enthält; ein Zwei-Jahresabonnement der Zeitschrift wird mit der CD belohnt. Auf der W&F-Website die Details.

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