Palin und Wikipedia

Sehr gut, wie die International Herald Tribune die Neubearbeitung des Wikipedia-Artikels über die McCain-Vizefrau Palin 24 Stunden vor dem Bekanntwerden der Auswahl von Palin rekonstruiert – ein Wikipedia-Artikel, der letzten Freitag 2,4 Mio. Page-Views hatte und noch am selben Tag von der Washington Post, NPR oder Daily Kos thematisiert wurde. Der Verfasser ließ schließlich wissen, dass er zur McCain-Campaign gehört. Der Focus berichtet im übrigen über einen wesentlichen Hintergrund der Auswahl Palins:

Zuvor hatte es geheißen, die Nominierung Palins zum „Running Mate“ habe McCain finanziell genutzt. Sie habe Spenden von wohlhabenden Konservativen angezogen, die bislang nur sehr zögerlich McCain unterstützt hätten. Nach Angaben des republikanischen Wahlkampfteams wurden allein seit vergangenem Freitag zehn Millionen Dollar (knapp sieben Millionen Euro) eingenommen. Insgesamt habe McCain im Monat August die bislang höchste Summe von 47 Millionen Dollar eingetrieben.

Decline in Sachen Internet

Im Juni 2008 gab es erstmals mehr Internetuser in China als in den USA. Asien insgesamt verzeichnet 39,5 % der InternetnutzrInnen (dabei sind nur 15,3 % der Bevölkerung am Netz), wogegen mit 237 Millionen Internetuser in Nordamerika bereits 71 % der Bevölkerung am Netz angeschlossen sind (s. World Internet Usage Statistics). Nach Angaben von Andrew Odlyzko entfiel vor einem Jahrzehnt rund 70 % des Internettraffics auf die USA, gegenwärtig sind es noch rund 25 %. Die NSA bekommt offenbar ein Überwachungsproblem.

Es kann nicht nur eines geben…

Beim Stöbern in dem fabelhaften Blog Strange Maps fiel mir diese Karte von 2053 des dritten russischen Empire in die Hände, das nicht nur Europa, sondern auch Grönland, Island usw. einschließt und in einem neuen Buch von Mikhail Yuryev publiziert wurde. Das Blog beschreibt ihn näher: Mikhail Yuryev is a Russian businessman, the former chairman of the Russian Government’s Council on Economy and Entrepreneurship (1993-1995) and formerly a deputy speaker of the State Duma (1995-1999). He is an ultranationalist, hoping to create a strong Russia which bases itself on Christian Orthodox values.“ Nun – die verbreitete Unlust, dem erhofften Obama-Land noch imperiale Züge zuschreiben zu wollen, ist aktuell durch eine flotte Verständnislust vieler Linker in Sachen Rußland abgelöst worden, kaum dass mal wieder zu den Waffen gegriffen wird. So schnell kann’s gehen, bei der Linken.

Zu Obama

Ein Kollege sandte mir heute folgende Notiz:

Obama’s official website opens its section on his stands “On economics” with the following quotation:

Plan to Strengthen the Economy

“I believe that America’s free market has been the engine of America’s great progress. It’s created a prosperity that is the envy of the world. It’s led to a standard of living unmatched in history. And it has provided great rewards to the innovators and risk-takers who have made America a beacon for science, and technology, and discovery…We are all in this together. From CEOs to shareholders, from financiers to factory workers, we all have a stake in each other’s success because the more Americans prosper, the more America prospers.”

—       Barack Obama, New York, NY, September 17, 2007

 ………….this at a time when that “free market” has produced the most serious economic downturn since the Great Depression……….

 

Left Bank

Ja, einige sehr lesenswerte Nischenreminiszenzen werden immer neu aufgelegt. Doch ansonsten vermarkten die rive gauche der Pariser Vorkriegszeit und danach heutzutage bloß noch ausgerechnet die Best Western Hotelkette oder diverse „unabhängige“ Kommerzprojekte (z.B. in Portland), Restaurants, Gallerien usw.usf. Aber auch sie spiegeln das besondere wieder, das die Left Bank auszeichnete: sie war ein eigener sozialkultureller Ort in einer bestimmten Zeit. Demgegenüber Los Angeles in der ersten Hälfte der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts: dort waren die Manns, Brecht, Renoir, Lang, Stravinsky, Schönberg, Feuchtwanger, Werfel, Simmel, Döblin, Adorno, Horkheimer, Dali, Bunuel, Ophüls, Fitzgerald, Parker oder Faulkner – nie aber bildeten sie eine LA-intellectual community. Wie anders die Left Bank. Es gibt also ganz besondere Bedingungen für die Vergesellschaftung linker Intellektualität. Warum es überhaupt Sinn macht, im Zeitalter von Bachelor und Masters, McCain und Merkel sich damit zu beschäftigen, ob die angeblich „neue“ Linke sich auch neue linke Intellektuelle zulegen sollte, debattiert ein Beitrag „Eine neue left bank der Intellektuellen?„, vorgetragen auf der SDS-Tagung an der Humboldt-Uni im Frühjahr 2008.

Ingo Schulze

„Ich lebe ja in einer Stadt, die von der Linken seit einiger Zeit mitregiert wird, in Berlin ist das zur Normalität geworden. Die Politik, die die Linke zumindest mitträgt, ist nicht ganz so schlecht wie die ihrer Vorgänger, mitunter aber auch zum Heulen. Wenn die Privatisierung der Wasserwirtschaft in Berlin kein Sündenfall war, dann weiß ich nicht, was ein Sündenfall ist. Ich glaube aber, dass die Bundesrepublik vor neunzehn Jahren eine gerechtere Gesellschaft war als heute, und das ist in meinen Augen das Problem. Ob die Linke das ändern könnte, darüber lässt sich, wie gesagt, streiten. „Ingo Schulze“ weiterlesen

DDR-Pix

Sie ist lebendig, eine der schrapnellisierten Kulturpraxen der DDR: die Fotografie. Das hat natürlich mit der DDR zu tun: wenn der Blick stimmte, dann kommt die Geschichte zurück. So auch in der Flickr-Sammlung von Lutz Schramm.

We don`t do empire

Mit Dieter Boris ist nunmehr der letzte „68er“ aus dem alten Kreis des SDS aus dem Fachbereich 03 der Universität Marburg emeritiert und zugleich expediert worden. Die emsige Endmoräne der ersten Generation der Marburger „Marburger Schule“ ist – was die Institution angeht – nunmehr erfolgreich vaporisiert worden. Aber naja, noch ist nicht aller Tage Abend!

Anne Tittor und Stefan Schmalz haben dankenswerterweise einen Dieter gewidmeten  Sammelband initiiert, der ihm letzte Woche zu seiner Abschiedsvorlesung überreicht wurde. Er heisst „Jenseits von Subcommandante und Hugo Chavez. Soziale Bewegungen zwischen Autonomie und Staat“ und ist erschienen im VSA-Verlag (Hamburg 2008, 254 Seiten), in dem Dieter viel publiziert hat.

Darin findet sich auch ein Text von mir: „We don`t do empire“ (S.232-243), der sich mit der Frage des Empire, in Sonderheit des US-Empire befasst.

Remix der Eigentumslandschaft

Die „Vorgänge„, die Zeitschrift der Humanistischen Union, haben als Heft 2/2008 ein sehr lesenswertes Themenheft zur Frage „Die Aufgabe des Staates“ herausgegeben, u.a. in Beiträgen von Stephan Leibfried, Gunnar Folke Schuppert, Siegfried Broß, Berthold Vogel und Birger Priddat sowie Thomas Gerlinger und Werner Rügemer.

Dort findet sich auch ein Beitrag von mir: „Remix der Eigentumslandschaft. Die Privatisierungspolitik resultiert aus der Dynamik der Finanzmärkte“ (S.100-112).