Einige Gewinnerbilder des hochrangigen, high-level (man betrachte nur die Copyright-Bestimmungen!) World Press Photo Contest 2007 gingen vor ein Paar Tagen durch die Medien – vor allem das Siegesphoto schicker junger Libanesen und Libanesinnen, die mit Fotohandy, Sun Glasses und zugehaltener Nase im roten offenen Cabriolet Zerstörungstourismus praktizierten. Nun scheint der Wettbewerb – sieht man von der irrelevanten Sportkategorie ab (Zidane, vorher und nachher!) – auf den ersten Blick seit jeher gar nicht so weit von der Gefühlslage der knipsenden Handyfrau entfernt zu sein. Doch dieser Eindruck dürfte irren. Durchgängig bilden die Fotos menschengemachte Gewalt, Krieg, Elend, Verzweiflung, Verkrüppelung, Mord ab. Ausnahmslos.
Jutta Held ist gestorben
„Eine besonders angenehme, zurückhaltende und glaubwürdige Menschin“ formulierte eine Mail dieser Tage zu Jutta Held, die am 27. Januar gestorben ist. Ja wirklich. Ihre freundliche, bedachte Bestimmtheit und eine dem Gegenüber schon fast verstörend Raum gebende bescheidene Aufmerksamkeit passte ja auch gar nicht zu der Kultur der Organisationshektik und so extrem wichtigen Entscheidungsorientiertheit, die sie jahrelang in den 90ern über sich im Vorstand des BdWi ergehen liess. Damals lernte ich sie kennen und schleppte sie sogar 1996 mit ihrem Mann Norbert Schneider in unsere Herbstakademie nach Volterra, wo sie über „Kunst und Politik im 20. Jahrhundert“ referierte.
Sie hat sicher ganz wesentlich die Kunstgeschichte an der Universität in Osnabrück etabliert, dort sind auch einige Nachrufworte erschienen, auch in der FAZ und vor allem in SZ. Aus dem Online-Archiv der Osnabrücker Zeitung ist die Meldung schon wieder verschwunden. Vor allem aber: sie hat eine große Fülle von Publikationen erarbeitet, die in kleinen linken und großen rechten Verlagen erschienen. „Kunst und Sozialgeschichte“ war der Titel einer Festschrift 1995 für sie. „Picassos Koreabild und die avantgardistische Historienmalerei“ war das Thema ihrer Abschiedsvorlesung. Ihr letztes Buch, das sie zusammen mit ihrem Mann verfasst hat, trägt den Titel „Grundzüge der Kunstwissenschaft“ (Böhlau Verlag) und ist erst kurz vor ihrem Tode erschienen.
Ihr politisches Herz aber galt einer Kunst, die sich politisch zum Faschismus verhält und ihn bekämpft, kurzweg, immer. Und sie haßte Krieg, der Kapitalismus war ihr zuwider – was sie nicht daran hinderte, mit über die „Kunst der Banken. Gemeinsinn durch Privatisierung“ zu verhandeln und vor Jahren in der FAZ über die Inwertsetzung von Kunst einen gewitzten Beitrag zu schreiben.
Sie hat die Guernica-Gesellschaft ausschlaggebend mitgegründet, deren Tagungen und klugen Veröffentlichungen immer wieder vorangetrieben. In vielen Projekten der Wissenschaftslinken hat sie mitgearbeitet: dem BdWi oder dem HKWM oder im Beirat von „W&F“. Im „Forum Wissenschaft“ und in „W&F“ hat sie geschrieben und als Vertrauensdozentin der Rosa Luxemburg Stiftung vertrat sie dort ein Feld, mit dem die Stiftung erst langsam etwas anfangen kann. Greifen wir zu ihren Worten, wenn wir uns Zeit nehmen.
Marxism Today
Auf der Website des Amiel & Melburn Trust sind nun die wirklich historischen Jahrgänge 1980-1991 von Marxism Today online.
Neocon`s Klima
Das American Enterprise Institute (AEI) ist zusammen mit Heritage der wichtigste rechte Think Tank in den USA. Über 20 Mitglieder des AEI wechselten in die erste Bush-Administration über, für zahlreiche Projekte der Bush-Administration (bis hin zum Krieg gegen den Iran) entstanden im AEI die Vorlagen. Laut Guardian vom 2.2.2007 bezahlt das AEI nun jenen Geld (nämlich 10 000 $), die eine Kritik der eben publizierten UN-Klimastudie schreiben. Von ExxonMobil bekam das AEI übrigens 1,6 Mio $ gespendet und ein vormaliger Chef des Unternehmens ist stellvertretender Vorsitzender des AEI-Aufsichtsrates. Der Worldwide Giving Report 2005 von ExxonMobil ist ein Blick wert.
Der bekannte Soziologe Josef Ackermann von der Deutschen Bank
hat eine sensible Beobachtung zur Kluft zwischen Unternehmensführern und der Bevölkerung gemacht: „Mir gegenüber sind eigentlich alle außerordentlich zuvorkommend.“ (Der Spiegel 4/07/38)
Merci
an Markus, den Eselsgeduldigen, & Jutta von Minuskel, der Raschesten!
Ohne sie hätte dieses Blog nie überstanden, dass ich es am Samstag einfach mal platt gemacht habe, mitten im Zahnextraktionsdelirium.
Fraktion „Die Linke“ fordert einen Privatisierungsbericht
Wer sich auch nur oberflächlich mit der Privatisierung nicht-privatförmigen Eigentums in der Bundesrepublik befasst hat merkt schnell, dass durch den Staat (und auch durch Unternehmen oder NGO`s) Informationsunterlagen bereitgestellt werden, die dürftig zu nennen ein Euphemismus ist. Wer eine Privatisierungsfolgenabschätzung versucht, hat sofort riesige Datenprobleme. Langsam ändert das Themenblog „wem gehört die Welt“ an dieser Lage etwas. Die Fraktion der Linken hat nun einen Antrag formuliert und einen Privatisierungsbericht gefordert – sie nimmt damit eine alte Forderung des DGB auf, die eben dieser DGB natürlich schon lange wieder ad acta gelegt hat.
Gott sei`s gedankt
bzw. der ähnlich generösen Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 14.1.2007 S.44 in der Rubrik „Geld & Mehr“: „So war auch nicht alles falsch, was Marx schrieb.“
Ach übrigens: „Auch wenn Sie die F.A.S. nicht abonniert haben, können Sie diesen Beitrag zum Preis von 2,00 € für 24 Stunden nutzen“.
Verschwörung
Via Krys ein Hinweis auf Sondenkind und das Project for the Exposure of Hidden Institutions. Es geht um Verschwörung(stheorien). Bei Domhoff gibt`s dazu übrigens ein Update von Who Rules America und man stößt nicht nur auf auf Helmut Schmidt`s bebilderten Auftritt beim Bohemian Grove, sondern fragt sich auch, was Mathias Döpfner von der Axel Springer AG, der neue österreische Bundeskanzler Gusenbauer, Josef Joffe und Matthias Nass von der ZEIT, Friedbert Pflüger, Otto Schily, Hubert Burda, Jürgen Schrempp, Klaus Zumwinkel, Richard Perle und Henry Kissinger bei der Bilderbergkonfererenz 2006 in Ottawa taten, obwohl doch schon so viele Deutsche da gewesen sind? Im Fall von Pflüger und Kissinger ist das Rätsel gelöst: sie guckten Fußball. Ansonsten beherrschen sie die Welt, Pflüger, David Rockefeller und all die anderen.
Demografie & Nachhaltigkeit
Zur Publikation gab es Mitte letzten Jahres einige Präsentationen. Mittlerweile ist das Buch „Unterm Strich“ von den „Neu“- und „Aktuell“-Seiten des oekom-Verlages bereits wieder verschwunden und auf dem Weg in die mediale Vergessenszone. Wie lange die paar Schnupper-Leseproben des mitschreibenden Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung noch zugänglich bleiben wird man sehen. Die Zweitautoren des Instituts für Internationale und Europäische Umweltpolitik haben auf eine solche Anpreisung gleich verzichtet. Auch wenn die Unterzeile „Erbschaften und Erblasten für das Deutschland von morgen“ lautet, wäre eine solche Beerdigung wirklich verfrüht. Der von Volker Hauff und Günther Bachmann vom Rat für nachhaltige Entwicklung herausgegebene Band ist nüchtern und sehr verständlich geschrieben, wirklich informationshaltig und ein gutes Beispiel dafür, wie aus der empirisch gehaltvollen Beschreibung nicht nur Fragen, sondern auch Problemlösungen entwickelt werden. Aber eine Reihe von mitlaufenden Zielvorstellungen sind nicht bloß problematisch, sondern schlicht inakzeptabel. Worum geht es?
Copyleft
Furore macht gegenwärtig ein Beitrag von Anna Nimus [Joanne Richardson] mit dem Titel „Copyright, Copyleft and the Creative Anti-Commons“ (Dezember 2006), der einen konzentrierten Streifzug durch die Geschichte des Rechts am geistigen Eigentum macht, das Institut kritisiert, die Revolten gegen das Intellectual Property beschreibt, das Konzept des Copyleft skizziert und endlich eine Kritik des von Lawrence Lessig vorangetriebenen Creative Commons – Projekts unternimmt. {s.a. Kleiner und den elektronischen Reporter}. Ein konziser und radikaler Text, auch deshalb ungewöhnlich, weil er eine grundsätzliche Kritik an diesem Projekt formuliert: „Copyleft“ weiterlesen
2006 war ein gutes Jahr!
für die Jungs von Goldman Sachs und dem Rest der 170 000 Beschäftigten der fünf großen Investmentbanken der USA, zu denen noch Morgan Stanley, Merrill Lynch, Lehman Brothers und Bear Stearns zählen. Ihr Bonus in 2006 summierte sich auf 36 Milliarden Dollar, insgesamt strichen sie runde 60 Milliarden ein – etwa das Bruttosozialprodukt von Vietnam. Zu den regulativen wie klimatischen Prämissen solcher Zufriedenheit gehört sicherlich, dass in der Bush-Administration zahlreiche frühere Spitzenleute von Goldman Sachs arbeiten: Hank Paulson als Schatzmeister, William Dudley als Chef der Federal Reserve Bank von New York; Robert Steel als Undersecretary of Treasury; Reuben Jeffrey als Vorstzender der Commodity Futures Trading Commission und Randal Fort ist als Assistant Secretary of State for Intelligence and Research bei Condoleezza Rice und Joshua Bolten endlich ist der Chief of Staff des Weißen Hauses; Jon Corzine ist Gouverneur von New Jersey; John Thain gehört zum Spitzenpersonal der New Yorker Börse. Mario Draghi übrigens, auch von Goldman Sachs, ist Vorstandsvorsitzender der Bank von Italy.
Das klingt jetzt irgendwie verbissen, so am Neujahrstag? Ist es auch.
Zu: 2007
VG Wort und Internettexte
Es gibt eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die VG Wort nun auch Internettexte in ihre Ausschüttungen einbezieht.
